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Der verlorene Prinz und das Reich der Träume
Der verlorene Prinz und das Reich der Träume
© Studiocanal

Kritik: Der verlorene Prinz und das Reich der Träume (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Der verlorene Prinz und das Reich der Träume" stammt vom Franzosen Michel Hazanavicius, der das Fantasy-Abenteuer nach eigener Aussage für seine Kinder (er hat insgesamt vier) drehte. Verheiratet ist er mit der Schauspielerin Bérénice Bejo, die in "Der verlorene Prinz…" die weibliche Hauptrolle spielt. Hauptdarsteller Omar Sy ist spätestens seit dem Welterfolg "Ziemlich beste Freunde" ein internationaler Star. Er ist hier in seiner dritten Kinorolle 2020 zu sehen (bzw. zu hören), nach "Ruf der Wildnis" und "Arctic Justice". Im Animationsfilm "Arctic Justice" hatte er eine Sprechrolle.

"Der Prinz und das…" ist deshalb so unkonventionell und erfrischend anders, da er gleichsam an die Phantasie der Kinder und der Erwachsenen appelliert. Hier geht es in erster Linie um einen aufrichtig liebenden, fürsorglichen Vater, dessen kreative Geschichten stets in einer imaginären Welt lebendig werden. Die Botschaft des Films: Glaube an die Kraft der Vorstellung und bewahrt euch eure (kindlichen) Illusionen und den Einfallsreichtum. Interessant ist ebenso, dass er Film die altbekannte Peter-Pan-Prämisse auf den Kopf stellt und quasi ins Gegenteil verkehrt.

Denn hier ist es der Vater (spielfreudig und ausdrucksstark: Omar Sy) der mit Gewalt gegen das Ticken der Zeit und die Vergänglichkeit ankämpft. Letztlich will er nicht, dass seine Tochter den liebgewonnenen, fast zur Tradition verkommenen Geschichten vor dem Schlafengehen entwächst – dieser Aspekt steht stellvertretend vor der Angst vieler Eltern vor dem Erwachsenwerden – und der möglichen Entfremdung – der eigenen Kinder. Sofia beginnt, sich für das Leben "da Draußen" zu interessieren- Also für die anderen Kinder (oder vielmehr: Jugendlichen) und das andere Geschlecht.

Zu ebenso unerwarteten wie heiteren Situationen kommt es, wenn Djibi mit seinem ärgsten "Konkurrenten", dem Freund der Tochter, konfrontiert wird – sowohl in der realen als auch in der (Studio-)Kulissenwelt. Wobei Hazanavicius diese "Konkurrenzsituation" stets mit einem Augenzwinkern betrachtet und überhaupt ein tolles Gespür für Timing und schrägen Witz unter Beweis stellt.

Abzüge gibt es aufgrund einer völlig absehbaren, klischeeüberfrachteten Lovestory (zwischen Bérénice Bejo und Omar Sy) und auch die mit allerlei Effekten angereicherten Action- sowie Fantasy-Szenen geraten nicht selten sehr künstlich sowie unecht. Vor allem in der einem kunterbunten Vergnügungs- und Freizeitpark nachempfundenen, traumhaft-imaginären Filmstudiowelt (inklusive fliegender Drachen und abseitiger Fabelwesen) erinnert vieles an billige Filmkulissen und ausrangierte Pappmaché-Requisiten.

Fazit: Liebenswerte Ode an die Magie und Kraft der Phantasie, trotz kleinerer Schwächen bei der technischen Umsetzung mit wichtiger Botschaft und lebhafter Performance umgesetzt.




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