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oder

Kritik: 7 Minuten (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Auf den ersten Blick auffällig ist die kurze Laufzeit von "7 Minuten", denn die beträgt effektiv nur 75 Minuten. In dieser Dauer versucht Regisseur Ricky Mastro eine Mischung aus Drama und Krimi, die zu unentschieden zwischen diesen beiden Polen mäandert, um wirklich greifbar zu sein. Das größte Problem ist, dass die Figuren meist im "luftleeren Raum" schweben, keine Vorgeschichte haben und keine nachvollziehbaren Motive verfolgen - und so unnahbar oder gar unsympathisch bleiben. Am ehesten zur Identifikation eignet sich noch Vater Jean, der vorurteilsfrei in die Welt seines Sohnes eintaucht, um ihm, dem Verstorbenen, zumindest so nahe zu sein. Gleichzeitig tritt sein ursprüngliches Motiv, die Hintergründe der Tragödie aufzudecken, immer weiter in den Hintergrund, ohne dass wir verstehen würden, warum.

Die Darstellung der städtischen Schwulenszene (der Film spielt in Frankreich) folgt außerdem dem Klischee, es ginge hier nur um Party, Drogen und Sex: Andere Motive oder Interessen sind bei den "Bisouanern", die das Nachtlokal bevölkern, nicht feststellbar. Besonders Fabien ist ein äußerst zwielichtiger Charakter, der seine Gäste mit Drogen versorgt und es sich zuallererst zur Aufgabe macht, den straighten Jean "zu drehen", wie er selbst sagt. Das entworfene Porträt ist jenes einer oberflächlichen Subkultur, das wenig dazu angetan ist, bestehende Vorurteile abzubauen oder Interesse zu wecken: So ist davon auszugehen, dass sich "7 Minuten" in erster Linie an "Eingeweihte" richtet oder an ein schwules Publikum, was schade ist.

Am interessantesten bleibt so Jean, der lethargisch und apathisch durch sein Leben treibt, das ihm seinen geliebten Sohn genommen hat. Sein Interesse an der Schwulenszene bleibt aber dennoch schwer greifbar und die Figurenzeichnung ist zu unpräzise, um wirklich Empathie beim Zuschauer aufkommen zu lassen. Überhaupt wirkt "7 Minuten" seltsam steril, auch die durchaus expliziten Sexszenen, teils an der Grenze zur Pornografie, schaffen es nicht, Spannung aufkommen zu lassen oder zu vermitteln. So bleibt am Ende ein in Phasen solide erzählter Film mit durchaus interessanter Prämisse, der aber an seiner Ungenauigkeit und seinem Hang zum Voyeurismus laboriert.

Fazit: Ein Film mit interessanter Ausgangslage, der an seiner Umsetzung scheitert: Regisseur Ricky Mastro gelingt es bei seinem Langfilmdebüt nicht, die Motive seiner Figuren klar offenzulegen und nachvollziehbar zu machen oder Empathie aufkommen zu lassen. Höchstens für Eingeweihte mit persönlichem Bezug zum Sujet von interesse, bleibt "7 Minuten" für das breite Publikum unzugänglich.




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