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Niemals Selten Manchmal Immer
Niemals Selten Manchmal Immer
© Universal Pictures International

Kritik: Niemals Selten Manchmal Immer (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Niemals Selten Manchmal Immer" ist das neue Werk der bemerkenswerten US-Drehbuchautorin und -Regisseurin Eliza Hittman. Bereits in ihrer vorherigen Arbeit "Beach Rats" bewies die Filmemacherin gemeinsam mit ihrer Kamerafrau Hélène Louvart ein großes Talent für eine intensive Beobachtung. Während sie darin von einem 19-Jährigen erzählte, der sich sexuell zu Männern hingezogen fühlt und dies vor seinem hyper-maskulinen Umfeld zu verheimlichen versucht, widmet sich Hittman diesmal der Situation einer ungewollt schwangeren Jugendlichen im ländlichen Pennsylvania, die nach Manhattan reisen muss, um dort eine Abtreibung durchführen lassen zu können.

Der Film, der auf dem Sundance Film Festival 2020 seine erfolgreiche Premiere feierte und kurz darauf im Wettbewerb der Berlinale den Silbernen Bären erhielt, zeichnet ein äußerst präzises Bild der Lage junger Frauen in den USA von heute. Hierbei setzt Hittman weder auf erklärende Dialoge noch auf dramatische Zuspitzungen, sondern auf Bilder, die gerade in ihrer Zurückhaltung und Feinfühligkeit besonders eindringlich wirken. Welchen Unterdrückungen die beiden Protagonistinnen Autumn und Skylar in ihrem Leben ausgesetzt sind, vermittelt sich hier ganz nebenbei – einfach weil Hittman genau hinschaut. Zum neorealistisch anmutenden Blick kommt die rundum überzeugende Schilderung weiblicher Selbstbestimmung und Solidarität. "Niemals Selten Manchmal Immer" ist humanistisches, kluges und obendrein gekonnt gemachtes Kino.

Die Leinwanddebütantin Sidney Flanigan wirft sich mit voller Hingabe in die Verkörperung der Heldin; das innige Zusammenspiel mit Talia Ryder, die hier ebenfalls in ihrer ersten Filmrolle zu sehen ist, ist großartig. Es wird schnell klar, dass sich die Cousinen Autumn und Skylar ohne viele Worte verstehen – und dass sie bedingungslos füreinander da sind.

Fazit: Ein Film voller Sensibilität, der sich mit einem wichtigen Thema befasst und dabei stets authentische Töne trifft. Die beiden Hauptdarstellerinnen agieren sensationell.




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