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Candyman
Candyman
© Universal Pictures International

Kritik: Candyman (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Horrorfilm "Candymans Fluch" (1992) von Bernard Rose, basierend auf der Kurzgeschichte "The Forbidden" von Clive Barker, gilt zu Recht als moderner Genreklassiker. 1995 und 1999 folgten zwei schwächere Sequels, in denen Tony Todd abermals die bedrohliche Titelfigur mit der Hakenhand verkörperte. "Candyman" von Nia DaCosta knüpft nun gekonnt an das Original an. Es handelt sich nach dem Indie-Drama "Little Woods" (2018) erst um den zweiten Langfilm der Regisseurin – doch sie zeigt hier bereits eine eindrückliche inszenatorische Souveränität, die dem Werk viele spannungsreiche Momente und originelle Bilder beschert.

Das Drehbuch, das DaCosta gemeinsam mit Jordan Peele ("Get Out") und Win Rosenfeld verfasst hat, greift viele Motive des Films aus den 1990er Jahren auf und vertieft sie. Dabei kommt es nicht nur zu einer üblichen Aktualisierung von Themen wie Gentrifizierung und strukturellem Rassismus, sondern tatsächlich zu einem sehr klugen Weiterdenken. Im letzten Drittel werden einige Aspekte nicht unbedingt allzu subtil behandelt; dennoch ist "Candyman", ähnlich wie Peeles Genre-Beiträge, ein äußerst starkes politisches Statement.

Die audiovisuelle Umsetzung des Plots ist ein Fest für Fans des Gruselkinos. DaCosta erweist dem Werk von Bernard Rose diverse Reverenzen - indem etwa Todd und Vanessa Williams ihre einstigen Rollen einnehmen - und findet zugleich ihre ganz eigene Handschrift. Waschkeller, Kunstgalerien oder Fahrstühle werden zu unheimlichen Orten; Szenen aus der Vergangenheit werden auf einfallsreiche Weise in Form von Scherenschnitten dargestellt. Und auch das Casting ist gelungen. Vom zentralen Duo Yahya Abdul-Mateen II ("Aquaman") und Teyonah Parris ("Chi-Raq") bis hin zum Nebenpersonal – hier liefern alle sehenswerte Leistungen.

Fazit: Eine bildsprachlich und dramaturgisch überzeugende Fortsetzung, die Horror-Unterhaltung und ernste Sujets stimmig zusammenbringt und eine gute Besetzung zu bieten hat.




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