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Bohnenstange
Bohnenstange
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Bohnenstange (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seinen zweiten Spielfilm "Bohnenstange" ließ sich der 1991 geborene russische Regisseur Kantemir Balagov von Swetlana Alexijewitschs Bericht "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht" (1985) inspirieren. Das Drehbuch, das er gemeinsam mit Aleksandr Terekhov verfasste, schildert den harten Überlebenskampf kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Leningrad aus dezidiert weiblicher Sicht, indem zwei ehemalige Soldatinnen der Roten Armee im Zentrum der Geschichte stehen.

Das Werk, das 2019 in Cannes uraufgeführt wurde und seither zahlreiche Auszeichnungen (darunter den Regie-Preis der Sektion Un Certain Regard) erhalten hat, beeindruckt nicht nur durch seine schonungslose Darstellung der Erschütterungen und Zerstörungen, die der Krieg mit sich brachte, sondern auch durch die höchst faszinierende Bildsprache, die Balagov mit seinem Kameramann Ksenia Sereda entwickelt hat. Das wohldurchdachte Spiel mit Farben demonstriert die Könnerschaft des jungen Filmemachers ebenso wie die Wahl und Gestaltung der Räume, in denen sich das Geschehen entfaltet.

Auch die beiden hingebungsvoll agierenden Hauptdarstellerinnen sind äußerst bemerkenswert: Die hagere, weißblonde Viktoria Miroshnichenko und die rothaarige Vasilisa Perelygina sind nicht nur optisch ein interessantes Gegensatzpaar, sondern liefern sich auch in ihrem intensiven Zusammenspiel ein spannungsreiches Duell zwischen zärtlicher Annäherung und ambivalentem Blickgefecht. Die Beziehung der Protagonistinnen ist von Schuld ebenso geprägt wie von körperlicher Anziehung, tiefer Verbundenheit und Liebe.

Fazit: Ein eindringlicher, sehr gut gespielter Film über den Schrecken, den der Krieg hinterlässt. Beachtlich ist nicht zuletzt die weibliche Erzählperspektive, die in diesem Genre immer noch eine Seltenheit ist.




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