VG-Wort

oder

Kritik: Petla (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Regisseur Patryk Vega erzählt in diesem bissig-satirischen Krimidrama von schier unglaublichen Verstrickungen eines polnischen Polizisten und seiner zahlreichen Helfer in illegale Geschäfte. Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall, der sich über mehrere Jahre bis in die jüngste Vergangenheit hinzog. Der Hauptcharakter Daniel tut sich mit zwei Kompagnons aus der Unterwelt zusammen, um ein teures Bordell zu betreiben. Es soll dazu dienen, die Kunden mit heimlichen Videoaufnahmen zu erpressen. Vorher aber müssen noch unliebsame Konkurrenten im Rotlichtmilieu ausgeschaltet werden. Der Film setzt die Unmoral und Skrupellosigkeit Daniels, aber auch vieler Leute in seinem Umfeld, mit einem großspurig satirischen Tonfall in Szene.

Daniel und seine Helfer auf beiden Seiten des Gesetzes handeln nach dem Spruch, dass eine Hand die andere wäscht. Die Staatsanwältin Alicja (Katarzyna Warnke) ist Daniel bei seinen Tricks und Vertuschungen gerne behilflich, solange sie sich von ihm begehrt und geliebt fühlt. Aber Daniel steigt der Erfolg rasch zu Kopf und er bleibt seinem respektlosen Frauenbild treu. Der Film verweist auf den gesellschaftlich noch verbreiteten Machismo mit abstoßenden Sexszenen im Bordell, oder auch mit der Schilderung, wie kaltblütig der Polizist die Frau eines Rivalen für seine Zwecke einspannt.

Der erzählerische Ton ist so hochtrabend zynisch wie seine Protagonisten. Einmal sagt ein SEK-Polizist zu einem Mädchen, das er "kleine Viper" nennt, sie solle gut zusehen, wie man einen Körper aufschlitze, schließlich werde sie auch einmal heiraten. Anfangs macht dieser satirisch-berauschte Tonfall Spaß, doch er verliert allmählich an Schwung. Vega kann sich episch und detailliert in einzelne Geschichten wie Daniels Ausschaltung eines Rivalen vertiefen. Und solche Geschichten gibt es leider zu viele.

Die beabsichtigte Verblüffung über all das, was möglich ist, wenn die Trennlinie zwischen Straftat und Strafverfolgung nicht mehr zuverlässig funktioniert, stellt sich also nicht immer ein. Wegen der allzu schnell vorgetragenen Erklärungen lassen sich die komplizierten Tricks und Intrigen nur mühsam nachvollziehen. Außerdem will Vega offenbar Hollywood bei der Darstellung von Sündhaftigkeit überbieten. Dabei vergisst er, auch positive Charaktere ins Visier zu nehmen oder zu erfinden, um ein Gegengewicht zum auf Dauer abstumpfenden Zynismus zu schaffen.

Fazit: Der polnische Regisseur Patryk Vega hat ein deftiges Krimidrama über einen polnischen Polizisten inszeniert, der ein Bordell betreibt, um die Gäste mit heimlichen Filmaufnahmen zu erpressen. Die Handlung, die in satirischem Ton erzählt wird, basiert auf wahren Ereignissen und malt ein düsteres gesellschaftliches Bild moralischer Verworfenheit. Die zynische Einstellung des Hauptcharakters, der Verbündete auf beiden Seiten des Gesetzes findet, wird am Beispiel seiner Taten gründlich ausgelotet. Auf Dauer wirkt die komplizierte Geschichte, die permanent schockieren will, aber auch ermüdend.





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