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The Secrets we keep - Schatten der Vergangenheit
The Secrets we keep - Schatten der Vergangenheit
© Leonine Distribution

Kritik: The Secrets we keep - Schatten der Vergangenheit (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieses amerikanische Thrillerdrama des Regisseurs Yuval Adler ("Die Agentin") erzählt eine Geschichte, die zum Teil an Roman Polanskis "Der Tod und das Mädchen" von 1994 und das gleichnamige Theaterstück von Ariel Dorfman erinnert. In diesem Stück und bei Polanski entführt eine Frau in Lateinamerika einen Mann, der sie während der Diktatur folterte. Bei Adler spielt die Handlung in einer amerikanischen Vorortsiedlung der ausgehenden 1950er Jahre. Dort treffen zwei europäische Einwanderer aufeinander, die nicht mehr zurückschauen wollten. Maja verschwieg ihrem amerikanischen Mann bislang den Grund ihrer Albträume. Der Fremde, den sie dann wie aus heiterem Himmel entführt, leugnet hartnäckig, der Nazi zu sein, der sie vergewaltigte und ihre Schwester auf dem Gewissen hat.

Das Drama bezieht seine Spannung aus dem unheimlichen Kontrast zwischen den beiden Welten, die es gegenüberstellt. Da ist zum einen die heile Welt des Vorortlebens, in dem die Männer zur Arbeit gehen und die Frauen adrett gekleidet den perfekten Haushalt führen. Der Film findet immer wieder tolle Bilder für dieses Puppenhaus-Idyll mit gemütlich-steif eingerichteten Zimmern, mit der Nachbarin, die genau registriert, wenn Maja nicht wie aus dem Ei gepellt daherkommt. Und Maja wirkt auf einmal auch ziemlich derangiert, als die mühsam abgewehrte Vergangenheit nach ihr greift. Ihr Ehemann Lewis staunt nicht schlecht, als er erfährt, dass er Maja im Grunde kaum kennt. Und auch Rachel, die brave Ehefrau des Entführten, weiß nichts über dessen angebliche schweizerische Familie, seine Vergangenheit.

Noomi Rapace beeindruckt mit ihrer Darstellung der scheinbar angepassten Maja, die plötzlich einen Mann niederschlägt. Ihre kaum gezügelte Wildheit, ihre mitgebrachte Fremdheit, die aus unaussprechlichen Erfahrungen herrührt, brechen bedrohlich durch. Chris Messina spielt Lewis als vergleichsweise einfältigen Charakter. Die Art und Weise, wie er sich in das Entführungsszenario hineinziehen lässt, wirkt wenig glaubwürdig. Joel Kinnaman bleibt als Figur ziemlich blass. Insgesamt wirkt das Drama wie ein ausfantasiertes Was-wäre-wenn-Geschehen. Einmal wirft Patrick seinen schweigenden Eltern am Frühstückstisch forschende Blicke zu. Er spürt deutlich, dass gerade etwas passiert, das nie stattgefunden haben soll.

Fazit: Unter der Regie von Yuval Adler entwickelt dieses Thrillerdrama aus dem Spiel mit unvereinbaren Identitäten eine eigentümliche Spannung. Noomi Rapace glänzt in der Hauptrolle einer Ehefrau im Amerika der 1950er Jahre, die ihrem Mann verschweigt, dass sie aus ihrer europäischen Heimat ein Trauma mitgebracht hat. Als sie einen Fremden entführt, in dem sie einen Naziverbrecher zu erkennen glaubt, ist die Familienidylle jedoch gründlich erschüttert. Die Geschichte, die Ähnlichkeiten mit dem von Roman Polanski verfilmten Theaterstück "Der Tod und das Mädchen" besitzt, verweist auf den Bruch zwischen Kriegs- und Nachkriegsära, der eine Vergangenheitsbewältigung kaum zuließ.




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