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Im Stillen laut
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Kritik: Im Stillen laut (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Bildende Kunst in der DDR? Da fallen einem außer den Schlagworten sozialistischer Realismus und Leipziger Schule meist nur Männer ein. Therese Koppes Dokumentarfilm liegt die Idee zugrunde, "einen Fokus auf die Vielseitigkeit des Kunstschaffens in der DDR zu legen". Dabei sei es ihr von vornherein ein Anliegen gewesen, "persönliche Geschichten von Frauen in den Mittelpunkt zu stellen", sagt Koppe in einem Regiestatement. Erika Stürmer-Alex ist eine solche. Gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin Christine Müller-Stosch erhält sie durch Koppes Film die Aufmerksamkeit, die ihr in der DDR nicht zuteilwurde.

Wobei, ganz richtig ist das nicht. Der Staat, besser gesagt dessen Ministerium für Staatssicherheit, hatte die Malerin und Bildhauerin Erika Stürmer-Alex durchaus im Blick. Christine Müller-Stosch liest ihr im Film vor, was über die Künstlerin und ihren Hof zu Protokoll gegeben wurde. Dass ihre Gemälde in der DDR kaum Absatz fanden, nach der Wende dann aber urplötzlich in großen Mengen von Museen angekauft wurden, wundert Stürmer-Alex nicht. Auch Müller-Stosch kann eine bittere Anekdote erzählen. In der achten Klasse war das Bildungssystem der DDR für sie beendet. Nicht, weil sie selbst aufmuckte, sondern weil ihr Vater, ein evangelischer Pfarrer, dem sozialistischen Staat nicht passte.

Koppes Dokumentarfilm ist jedoch alles andere als bitter. Ganz im Gegenteil! Die zwei Frauen sind ein anregendes Beispiel dafür, sich seine Lebensweise von nichts und niemandem verbieten zu lassen, sich Freiräume zu erkämpfen und das Leben, die Liebe und die Kunst humorvoll, energiegeladen und kritisch reflektiert anzugehen. Koppe hat die zwei Frauen ein Jahr lang begleitet, was ihr Film nicht nur in den sich ändernden Jahreszeiten, sondern auch in einer sich wiederholenden Szene spiegelt. Ihr Porträt ist eine unaufdringliche Mischung aus beobachtender Perspektive, unkommentiertem Archivmaterial und aus dem Off vorgetragenen Erinnerungen. So ruhig und kraftvoll wie das Leben.

Fazit: Therese Koppes Dokumentarfilm ist ein ruhiges, aber kraftvolles Porträt. Am Beispiel zweier Frauen zeigt die Filmemacherin, wie wichtig es ist, sich seine Freiräume zu erobern und bis ins hohe Alter einen kritischen Geist und den Humor zu bewahren.




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