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Kritik: Im Berg dahuim (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Almabtrieb oder Viehscheid ist in der bayerischen Region Allgäu schon längst zur Touristenattraktion geworden. Wenn die mit Blumen geschmückten, mit Glocken behängten Kühe im September von den Berghängen zurück ins Tal getrieben werden, herrscht in Oberstdorf Volksfeststimmung. Aber zum Thema Alm- oder Alpsommer fällt so manchen Städtern wahrscheinlich nur Johanna Spyris Kinderbuchklassiker "Heidi" ein. Wie der reale Alltag von Hirten und Sennern aussieht, die mit ihren Tieren monatelang in den Bergen leben, wissen viele nicht. Der Dokumentarfilm der Schweizer Thomas Rickenmann und Rahel von Gunten bietet Einblicke in das arbeitsreiche Leben auf vier Allgäuer Alpen.

Die Tage beginnen für die Alphirten sobald es hell wird. Kühe müssen zum Melken in den Stall geholt werden. Unter den Hirten gibt es auch Jugendliche wie Matti, Clemens und Roman. Für Matti ist es ein schönes Gefühl, wenn er zeitweilig auf dem Grat mit 60 Tiere allein ist, "eigene Entscheidungen treffen" kann. Die Filmemacher sehen den Sennern beim Käsemachen über die Schulter, lassen Familienmitglieder erzählen, warum sie die Arbeit auf der Alp lieben oder gar als "Privileg" empfinden, wie es einmal heißt. Obwohl es viel zu tun gibt, strahlen die Befragten alle eine ruhige Zufriedenheit aus.

Man erfährt auch Interessantes über die Schellenkultur, also über die Glocken, die die Alphirten besitzen und am Anfang der Saison ihren tierischen Schützlingen umhängen. Außerdem kommen auch die Auswirkungen des Klimawandels zur Sprache. Oft herrscht im Sommer Wasserknappheit. Zu einigen Flächen muss Wasser hochgepumpt werden, es werden Leitungen verlegt und mit Steinen bedeckt. Als Experte, der Hintergrundwissen beisteuert, fungiert im Film der Oberstdorfer Oberalpmeister Franz Kögel.

Alphirten und Senner haben die Leidenschaft für ihren sommerlichen Beruf oft schon im eigenen Elternhaus erworben. Sie ist verbunden mit der Liebe zur Natur, zur Heimat und zum Brauchtum. Es überrascht nicht, dass einige von ihnen musizieren können. Allerdings erklingt in diesem dokumentarischen Heimatfilm, der die Schönheit der Berge und die alpenländische Kultur geradezu überschwänglich preist, etwas zu viel Jodelgesang und andere Musik aus dem Off. Lieber hätte man ein wenig mehr die Ruhe genossen in der imposanten Landschaft, das Bimmeln der Kuhglocken und vielleicht das Zirpen der Grashüpfer.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Thomas Rickenmann und Rachel von Gunten schildert den Alltag mehrerer Allgäuer Alphirten und Senner während eines Sommers. Monatelang hüten und versorgen sie im Auftrag der Bauern der Region Oberstdorf deren Vieh hoch oben in der Einsamkeit der Berge. Trotz der anstrengenden Arbeit im Freien, im Stall, in Käserei und Hüttenbetrieb, können sich die meisten von ihnen keinen schöneren Job vorstellen. Der Film bietet informative Einblicke in diese naturnahe Lebensform und preist zugleich ausgiebig alpenländische Tradition und die Schönheit der Berge.









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