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Kritik: The Beach House (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"The Beach House" beweist wieder einmal: Weniger ist oft mehr. Wie etwa auch "Der Unsichtbare" zuletzt (wenngleich mit deutlich geringeren Mitteln und weniger bekanntem Cast) besinnt sich Regie- und Drehbuch-Debütant Jeffrey A. Brown auf das Wesentliche, sprich: Sich stetig steigernden Suspense, Spannung, mysteriöse Begebenheiten, die den Zuschauer rätseln lassen und gelungene (Body-)Horror-Effekte, die den Ekelfaktor in die Höhe treiben. Dies ist eine erfreuliche rezente Entwicklung im US-Horrorkino, das gerade in den letzten Jahren mit repetetiven Franchises, Re-Boots, Sequels und Jump Scare-Overload die Kinosäle überschwemmte.

Kleine Mängel finden sich natürlich auch hier: Die Schauspielleistungen sind im besten Fall als solide zu bezeichnen, dienen dem Plot, werden aber kaum in die Filmgeschichte eingehen. Und einige Plotsequenzen und Handlungsstränge werfen Fragen auf, die nie geklärt werden, wuchern und verhungern schließlich als lose Enden in der Gesamtdramaturgie (Was geschieht etwa mit der von der seltsamen Schleimkrankheit befallenen Jane? Was passiert mit Mitch, der über Wasser gehen wollte, um dann darin zu versinken?) Im Gesamtkontext sind diese Defizite aber verschmerzbar, da sie dem zentralen Handlungsstrang kaum oder nur marginal schaden.

Wenngleich es sich bei "The Beach House" eher um einen klassische Suspense-Thriller handelt, dessen zentraler Aspekt der schleichende Horror ist, tut sich die Frage nach einer "tieferen Bedeutung" auf: Natürlich, Brown kann sich keineswegs mit Body-Horror-Ikonen wie David Cronenberg messen, der seine Genrefilme stets als Vorwand für intellektuelle Auseinandersetzungen mit (Psycho-)Pathologien oder gesellschaftlich relevanten Themen verstand. Dennoch kann man spekulieren: Geht es hier um eine Umwelt, die ein Eigenleben entwickelt, die sich an der Menschheit rächt, die Menschen attackiert, angreift, gleich Parasiten befällt, wie das der Mensch seit Jahrtausenden mit der Natur macht? Geht es also um Umweltverschmutzung, Klimawandel und eine Abrechnung mit der Spezies Mensch, die die Natur aubeutet, zerstört und vergiftet, die sich nun gegen ihn wendet? Diese Interpretation erscheint naheliegend, wenngleich "The Beach House" auch bei der möglichen Bedeutung vage bleibt: Wie auch immer, denn der Film funktioniert auch als straighter, ordentlich gemachter Horror-Schocker ausgezeichnet.

Fazit: Eine positive Überraschung - "The Beach House" ist ein gelungenes Regie-Dubüt, das auf wirkungsvollen, schleichenden (Body-)Horror setzt und sich auf das Wesentliche besinnt. Die (mögliche) tiefere Bedeutung als Abrechnung mit der "parasitären" Spezies Mensch addiert zusätzliche Qualität, der Film funktioniert aber auch als straighter Horror-Shocker ohne doppelten Boden ausgezeichnet. Sehenswert.




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