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Wildherz
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© barnsteiner-film © Catamaranfilms

Kritik: Wildherz (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der jungen Generation der um die Jahrtausendwende geborenen Millennials wird Unsicherheit nachgesagt. Weil ihnen so viele Möglichkeiten offenstehen, fällt es den Millennials angeblich schwer, sich für einen beruflichen Weg zu entscheiden. Mit diesem Problem schlägt sich auch Simone Hage herum, die junge Frau, die der Dokumentarfilm von Caro Lobig porträtiert. Streng genommen gehört die 2000 geborene Protagonistin schon zur Generation Z, die der Millennials-Generation Y nachfolgt. Aber wie Simone wollen nach wie vor auch zahlreiche andere junge Menschen nach der Schule nicht gleich mit einer Ausbildung beginnen, sondern reisen und sich ungebunden ausprobieren.

Die junge Frau mit den Dreadlocks und dem strahlenden Lächeln ist alles andere als angepasst. Sie brach die Schule mit 16 Jahren ab, verdient ihr eigenes Geld mit Pferdefotografien und meidet auch auf ihren vielen Reisen ausgetretene Pfade. Ihr mutiger Wanderritt mit Wildpferden von Bayern an die Ostsee fand bereits Eingang in Caro Lobigs Dokumentarfilm "Magie der Wildpferde" von 2019.

Simone ist aber als "Digital Native" ein Kind ihrer Zeit, sie hat sich mit einem Blog und auf Instagram einen Namen gemacht. "Die Menschen kennen mich als strahlendes Reisemädchen", sagt sie einmal selbstkritisch, als sie ihr öffentliches Image als Korsett empfindet. Dennoch sagt Simone immer wieder, dass sie anderen Menschen Impulse geben möchte. Es erstaunt schon, dass sich so ein junger Mensch bereits berufen sieht, auf seinen Wegen ein Beispiel für andere zu sein. Womöglich erzeugen soziale Medien einen ähnlichen Erfolgsdruck wie der Wunsch, angesichts der vielen Chancen auch ja keine Niete zu ziehen.

Von Simones Wunsch, der Menschheit etwas zu geben, ist es im Film nicht mehr weit bis zu ihrem Liebäugeln mit spirituellen Lehr- oder Heiltätigkeiten. Es bleibt unklar, inwieweit auch Lobig das Porträt in eine esoterische Richtung lenkt oder diese befürwortet. Auf der Film-Webseite jedenfalls ist zu lesen, dass die 2000 geborenen "Kristallkinder" wie Simone "bereits mit einem hohen Bewusstsein und alternativen Ansichten auf die Welt kamen". Zugleich steht die Regisseurin dem Lebensstil der Protagonistin auch skeptisch gegenüber: Wiederholt bringt sie das Gespräch auf die fehlende Berufsausbildung. Dabei ist Simone mit ihren 20 Jahren blutjung und kann sich ihre Reiselust sogar selbst finanzieren. Das Porträt bekommt diese dynamische Person irgendwie nicht richtig zu fassen.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Caro Lobig begleitet eine junge Pferdeliebhaberin auf ihren ungewöhnlichen Reisen. Simone Hage lebt monatelang in Dänemark, arbeitet auf einer Finca in Andalusien mit und lässt sich auf der Suche nach der Bestimmung im Leben spirituell beraten. Sie erscheint als unangepasste, aber dennoch auch typische Vertreterin einer Generation, der es angesichts vieler Chancen nicht leicht fällt, sich beruflich festzulegen. Das Porträt wirkt selbst etwas unschlüssig in seinem Versuch, die Protagonistin zu verstehen.




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