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Kritik: Woman (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Anastasia Mikova und Yann Arthus-Bertrand ("Human – Die Menschheit") haben für ihr dokumentarisches Projekt "Woman" Interviews mit 2000 Frauen aus 50 Ländern geführt. Davon fanden nicht wenige in Ausschnitten Eingang in den Film, neben dem auch eine Buchveröffentlichung entstand. Die Erlöse des Films, der eine Art globales, würdigendes Porträt des weiblichen Geschlechts darstellt, sollen der Ausbildung von Frauen in Medienberufen zugute kommen. Der Film zeigt, dass Frausein vielerorts noch mit massiver Benachteiligung verbunden ist. Zugleich aber fängt er Stimmen ein, die von weiblicher Kraft und Zuversicht auch unter schwierigen Bedingungen zeugen.

Vor einem dunklen Hintergrund sprechen einzelne Frauen ohne Namen. Ihre Worte erscheinen übersetzt als Text, neben ihren Köpfen. Manche sagen nur zwei-drei Sätze, andere ein paar mehr. Die Montage ist auf Vielfalt angelegt, junge, blonde, dunkelhäutige, alte Frauen aus Lateinamerika, Europa, Indien, Afrika, Kanada usw. wechseln sich ab. Als ein großer Bereich der Genderrolle stellt sich die Körperlichkeit heraus. Frauen werden oft über ihr Aussehen definiert und das Kinderkriegen stellt nach wie vor für viele den entscheidenden Faktor im Leben dar. Es verblüfft auf befreiende Weise, wenn so viele Frauen hier erzählen, wie gerne sie ihrem Geschlecht angehören und vor allem auch, wie viel Spaß ihnen Sex bereitet.

Am ergreifendsten wird ein Lächeln, ein von sanftem Stolz erfüllter Blick, wenn er von Frauen stammt, die erkennbar kein leichtes Leben haben. Noch immer ist die Macht der Männer, einzelner oder als Patriarchat, im Leben der meisten Frauen zu groß. Benachteiligung und Gewalt haben viele Ausprägungen. Eine Frau weint, weil sie die Schule zugunsten des Bruders abbrechen musste. Einige Gesichter sind von Säureattentaten verletzt. Immer mehr Frauen beanspruchen das Recht, Unrecht und Leid beim Namen zu nennen und sich nicht als Opfer zu verstecken.

Zwischen den in Blöcken präsentierten Aussagen gibt es auflockernde Intermezzos aus Bildaufnahmen und Musik. Da posieren Frauen im Kreise ihrer Familien, vollführen ein Unterwasserballett. Ein solcher filmischer Bilderbogen geht naturgemäß nicht in die Tiefe. Aber beispielsweise schon, dass alte Frauen aus Osteuropa, Bäuerinnen aus anderen Kontinenten ihre Würde und Ausdruckskraft neben jener westlicher Städterinnen beweisen können, verleiht dem Film überzeugende Berechtigung.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Anastasia Mikova und Yann Arthus-Bertrand ist eine Hommage an die Frauen dieser Welt. Bäuerinnen, Arbeiterinnen, Akademikerinnen aus verschiedenen Kontinenten, alte und junge, leidgeprüfte und fröhliche Frauen erzählen in kurzen Statements aus ihrem Leben. Sie berichten, wie es sich anfühlt, als Frau aufzuwachsen, Kinder zu bekommen, geliebt oder ungeliebt, benachteiligt oder gar Opfer von Gewalt zu sein. Trotz oft noch fehlender Chancengleichheit und Selbstbestimmung lässt die zuversichtliche Kraft und Lebensfreude staunen, die so viele Aussagen prägt.




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