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Parfum des Lebens
Parfum des Lebens
© Happy Entertainment

Kritik: Parfum des Lebens (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seinen zweiten Spielfilm hat sich der französische Regisseur und Drehbuchautor Grégory Magne ("L‘air de rien") eine relativ unspektakuläre Geschichte ausgedacht. Zwei Menschen aus verschiedenen sozialen Milieus stecken beruflich und auch sonst in ihrem Leben fest. Er wird dafür bezahlt, sie zu geschäftlichen Terminen zu fahren und ärgert sich grün über ihre Ansprüche. Aber allmählich beginnen beide, die Gesellschaft des anderen zu schätzen und über ihren Tellerrand hinauszublicken. Die hohe Kunst des Unterhaltungsfilms ist es, einen solchen Stoff zum Glänzen zu bringen. Vor allem auch wegen der hervorragenden Schauspieler gelingt das mühelos und so beweist dieser Film einmal mehr die Qualität des französischen Kinos.

Ein feiner Humor durchzieht die Handlung. Die Geruchsberaterin, die früher einmal renommierte Parfüms kreierte, hat eine empfindliche Nase. Zuerst reagiert ihr Fahrer Guillaume ungläubig und ziemlich fassungslos auf ihre Allüren – sie verträgt den Duft des Zimmermädchens nicht, er darf nicht nach Zigaretten riechen und so weiter. Aber dann weiht sie ihn ein wenig in die Kunst des Riechens ein. Der staunende Guillaume erkennt ihr Talent und ist nun eher bereit, ihr die Dienstreisen stressfrei zu halten. Und Anne kann vieles stressen, die Gesellschaft anderer Leute, ein einfaches Gespräch. Diese Frau merkt gar nicht, wie arrogant sie wirkt. Sie braucht nicht nur einen Chauffeur, sondern jemanden, der ihr ernsthafte Fragen stellt.

Manchmal teilt sich die Handlung in zwei parallele Stränge, um Anne und Guillaume allein in ihrem Alltag zu zeigen. Dann bemüht er sich beispielsweise mit wechselndem Erfolg um einen guten Kontakt zur Tochter, sie versucht, ihre Agentin (Pauline Moulène) auf Abstand zu halten. Diese Stränge verstärken den Realitätsbezug der Handlung. Grégory Montel lässt Guillaume wahlweise angestrengt, irritiert, ratlos, besorgt wirken und beweist dabei Gespür für Komik, trägt diese aber nie zu dick auf.

Emmanuelle Devos spielt Anne als charismatische, sehr vornehme Person, die allein schon dank ihrer Haltung oder ihres reservierten Gesichtsausdrucks interessant wirkt. Anne überrascht irgendwann alle diejenigen Zuschauer, die sie vorschnell als hochnäsig interpretiert haben. Dabei ändert sie auf hoch spannende Weise ihre Mimik aber nur um Nuancen. Man lässt sich von diesen beiden Charakteren und ihrer Beziehung gerne in Bann schlagen.

Fazit: Ein Chauffeur in Geldnöten und seine Kundin, die Düfte komponiert, können sich anfangs nicht riechen, bevor sie merken, dass sie sich etwas zu sagen haben. Die großartige Emmanuelle Devos und ihr nicht minder überzeugender Kollege Grégory Montel spielen zwei Menschen, die mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind. Mit feinem Humor erzählt der französische Regisseur Grégory Magne die holprige Geschichte ihrer dienstlichen Beziehung, die sich freundschaftlich vertieft. Die großen Gefühle und Dramen bleiben ausgespart, aber dieser charmante Film vermag sein Publikum mühelos zu fesseln.




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