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Alles ist eins. Außer der 0
Alles ist eins. Außer der 0
© Neue Visionen

Kritik: Alles ist eins. Außer der 0 (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Laufe seiner mittlerweile 40-jährigen Geschichte hat der Chaos Computer Club (CCC) immer wieder mit spektakulären Hackeraktionen für Schlagzeilen gesorgt. Es mutete oft subversiv an, wenn die Informatikspezialisten vollmundig angepriesene digitale Sicherheitskonzepte von Behörden oder Unternehmen außer Kraft setzten. Diesen schalkhaften Aspekt des Aufdeckens von Sicherheitslücken oder eines schlechten Umgangs mit Daten brachte schon Gründer Wau Holland in den Club mit. Die beiden Dokumentarfilmer Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf setzen dem 2001 verstorbenen Technikvisionär Holland ein filmisches Denkmal, wenn sie die Geschichte des CCC mit viel Sinn für den rebellischen Geist der 1980er Jahre aufrollen.

Immer wieder greift der Film auf Archivmaterial zurück, das Wau Holland vor diversen Amateur- und TV-Kameras zeigt. Die gewitzte Art des Hackers prägt auch den Erzählstil des ganzen Films. Darin fungiert Peter Glaser als Voice-Over-Erzähler. Der Schriftsteller war einst beim CCC Chefredakteur der Zeitschrift "Datenschleuder". Weitere wichtige Protagonisten sind der erste Pressesprecher des CCC, Steffen Wernéry, und zwei seiner Nachfolger. Zur Besonderheit des Films gehört, dass er lieber auf vorhandenes Videomaterial aus den Archiven zurückgreift, als eigene Interviews zu führen. Wenn man TV-Auftritte, Kongressreden aus früheren Jahrzehnten zu Gesicht bekommt, lässt sich die Stimmung der damaligen Zeit auch sehr viel stärker erleben, als wenn damalige Protagonisten heute Rückschau halten würden.

Für die verwirrende, herausfordernde Welt der computergestützten Kommunikation findet der Film überzeugende visuelle Gestaltungsmittel. Der filmische Blick ahmt gewissermaßen die Perspektive der Hacker nach, deren Gegenüber meistens ein Gerät ist. So lässt er beispielsweise Glaser auf eine Wand aus Monitoren schauen. Viel Punkmusik erklingt, um die Ära der 1980er lebendig werden zu lassen. Zum historischen Rückblick gehören nicht nur Großereignisse wie der Mauerfall. Es findet sogar der LSD-Papst Timothy Leary Erwähnung, ebenso wie die weitgehend unbekannte Tatsache, dass mit Hackern ursprünglich Bastler einer Modelleisenbahnanlage am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gemeint waren. Dem Film gelingt es, sein Thema, das für Fachfremde ja auch schnell kompliziert werden kann, leicht und locker, wie ein buntes Unterhaltungsprogramm, zu präsentieren.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf rollt die Geschichte des Chaos Computer Clubs auf und betont dabei besonders den rebellischen Geist der frühen 1980er Jahre, in dem er wurzelt. Im Mittelpunkt dieses unterhaltsamen Rückblicks steht die Person des 2001 verstorbenen CCC-Gründers Wau Holland, der schon Jahre vor der Entstehung des World Wide Web für den freien Zugang zu Information eintrat. Mit viel Archivmaterial und Punkmusik spannt der Film seinen inhaltlichen Bogen bis zur aufklärenden, mahnenden Rolle der Hacker in der Gegenwart.












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