oder
Narren
Narren
© Böller und Brot © Edition Kassenfeger

Kritik: Narren (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit feiner Beobachtungsgabe und Respekt vor Brauchtum und Narren, entführen die Filmemacherinnen in eine für viele Menschen fremde Welt. Eine "jecke, närrische Welt", die sich doch so sehr vom bekannteren, größeren rheinischen Karneval unterscheidet. In Rottweil und anderen Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fasnet geht es nicht um das große Kollektivbesäufnis, Konsum und Kommerz – es stehen die Pflege des Brauchtums und die Einzigartigkeit des Ereignisses im Zentrum, das Jahr für Jahr Alt und Jung zusammenführt.

Allein dieser Umstand rechtfertigt diese Doku: Dass sie dem Zuschauer, der nicht im Südwesten Deutschlands beheimatet ist oder von dort stammt, die Charakteristika und Eigenarten der schwäbisch-alemannische Fasnacht auf liebe- und humorvolle Weise näherbringt. Die Vermummung der Teilnehmenden mit handgeschnitzten, teils über Generationen vererbte Masken. Eine den Rhythmus vorgebende, leidenschaftliche Mischung aus Gugge, Blasmusik und Fastnachtsklängen. All die prächtigen Kostüme mit ihren Fuchsschwänzen, Hauben, Schellen und edlen Stoffen. Das alles macht die dortige Fasnet aus und all dies fangen Köhler und Baier in erhellenden, nie zu aufdringlichen Bildern ein.

Darüber hinaus blicken sie hinter die Kulissen: Sie zeigen die Vorbereitungen, besuchen den Kostümfachhandel und den Holzschnitzer und brechen das große Ganze, das prächtige Treiben auf den Straßen, auf einen Mikrokosmos herunter, wenn sie einzelne Familien näher porträtieren und so Intimität sowie Privatheit herstellen.

Fazit: Erhellende, facettenreiche Doku über ein geschichtsträchtiges Großereignis, das wenig zu tun hat mit der Kommerzialisierung und dem wilden, alkoholgetränkten Party-Exzess des rheinischen Karnevals.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.