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Eine einsame Stadt
Eine einsame Stadt
© Real Fiction

Kritik: Eine einsame Stadt (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In Deutschland leben aktuell etwa 17 Millionen Singles. Ein Großteil von ihnen lebt nicht freiwillig alleine: Die meisten suchen nach einer Partnerschaft, nach einer neuen Liebe, oder nach Anschluss – wie die Porträtierten dieser sehr behutsam und mit Geduld umgesetzten Doku. Sie entstammen unterschiedlichsten Alters- sowie Gesellschaftsgruppen und sie bilden auf authentische Weise unsere bunte, mannigfaltige Bevölkerung ab. "Eine einsame Stadt" verdeutlicht damit: Das Single-Dasein ist keine Frage des Alters, es kann jeden betreffen. Egal ob jung oder alt, ob alleinerziehende Mutter, Freiberufler, erfolgreicher Banker, Arbeitssuchender, Pensionär oder Studentin.

Regisseurin Nicola Graef erzeugt Nähe und Intimität zu ihren Interviewten, indem sie diese im privaten Raum zeigt, im Alltag begleitet und damit sehr persönliche Einblicke gewährt. In der Wohnung, bei der Arbeit, beim Spaziergang oder Treffen mit Freunden. Zu den Protagonisten zählt zum Beispiel ein etwa 50-jähriger Mann, der 14 Jahre in einer Beziehung war und nun wieder nach einer neuen Partnerin sucht. Die Hoffnung gibt er nicht auf. Oder eine aus München nach Berlin gezogene Single-Mama sowie eine Studentin, der es schwer fällt, freundschaftliche Kontakte zu knüpfen.

Ob bei den Interviews oder während der Alltagsbegleitung: Die Regisseurin selbst greift quasi nie in das Geschehen ein, nur an einer Stelle hört man sie aus dem Off eine Frage stellen. Zudem ist "Eine einsame Stadt" von einer großen Ehrlichkeit geprägt. Der Film beschönigt nichts und porträtiert neben den zuversichtlichen, positiv in die Zukunft blickenden Singles gleichfalls Personen, die von Trauer und Nachdenklichkeit durchzogen sind. Darunter eine Frau, die ihren immer tiefer in die Demenz abgleitenden Mann zu Hause pflegt. Sie lebt allein, auch wenn ihr Mann (zumindest körperlich) anwesend ist.

Fazit: Die einfühlsame, mit viel Geduld und Empathie realisierte Doku "Eine einsame Stadt" porträtiert verschiedene in Berlin lebende Singles. Der zum Reflektieren und Nachdenken anregende Film offenbart die Folgen vom Leben in einer Gesellschaft, in der Anonymität, Selbstbezogenheit und fehlende Loyalität ansteigen.




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