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Proxima - Die Astronautin
Proxima - Die Astronautin
© Koch Media

Kritik: Proxima - Die Astronautin (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die französische Regisseurin Alice Winocour ("Der Bodyguard – Sein letzter Auftrag") erzählt in diesem Drama von einer Astronautin und Mutter, die an ihrer Doppelbelastung zu scheitern droht. Ihrer kleinen Tochter hat die Französin Sarah ganz viel über ihre Arbeit erzählt und sie auf die Zeit der Trennung während der Weltraummission vorbereitet. Aber dass Sarahs Abwesenheit das innige Verhältnis von Mutter und Tochter schon während der Vorbereitungswochen in Russland verändert, trifft beide doch härter als erwartet. Winocour würdigt mit dieser Geschichte die besondere Leistung von Astronautinnen, die Kinder haben. Im Abspann werden Fotos von Raumfahrerinnen und ihren Kindern gezeigt.

Sarahs amerikanischer Kollege Mike hat es doch viel leichter, sich von seinen Kindern zu verabschieden. Sie bleiben bei der Mutter in einer Familie, die sich der klassischen Rollenverteilung verschrieben hat. Sarah aber lebte nach der Trennung von Thomas mit ihrer Tochter allein und sorgt sich sehr um sie, weil sie ihr den Umzug zum Vater und einen Schulwechsel zumuten muss. Und wenn Sarah aus dem All nicht zurückkehrt? Es ist Standard bei Weltraumflügen, dass die Astronauten ihren Familien Abschiedsbriefe hinterlassen. Sarah erlebt in Russland, wie stark ihre Mutterliebe ist. Eva Green spielt diesen Charakter sehr gefühlvoll und dennoch hart im Nehmen. Sarah hat gelernt, ihren eigenen Weg zu gehen. Den Konflikt, den Mike vom Zaun bricht, löst der Film allerdings nicht sehr glaubwürdig auf, wie überhaupt die Beziehungen, außer der von Mutter und Tochter, das Nachsehen haben.

Einerseits legt der Film großen Wert auf Realitätsnähe. Gedreht wurde bei der ESA (Europäische Weltraumorganisation) in Köln und in Star City bei Moskau. Wie Sarah dort unter simulierten Bedingungen Reparaturen und Rettungseinsätze im All üben muss, wird sehr authentisch und spannend geschildert. Umso mehr überrascht das Ausmaß der Emotionalität, das die Mutter-Tochter-Geschichte auffährt. Eigentlich will der Film ja zeigen, dass auch Mütter gute Astronautinnen sein können, aber Sarah stellt streckenweise gerade das infrage. Sie verhält sich einmal sogar eklatant unprofessionell, weil sie mit ihren Gefühlen nicht klarkommt. So stellt sich der Film beim Verfolgen guter Absichten leider selbst ein Bein.

Fazit: Das Drama der französischen Regisseurin Alice Winocour schildert sehr eindringlich den Konflikt, in den eine Astronautin mit ihrer Rolle als Mutter gerät. Eva Green spielt die für eine Weltraummission ausgewählte Frau im Zwiespalt zwischen beruflicher Höchstleistung und dem seelischem Stress, den ihr die zeitweilige Trennung von ihrer Tochter bereitet. Während das fordernde Vorbereitungstraining sehr realitätsnah und interessant geschildert wird, wirken die Probleme der Mutter-Tochter-Beziehung emotional aufgebauscht. Mit Sicherheit will der Film echten Astronautinnen gar nicht die Bereitschaft zur Unberechenbarkeit unterstellen, die seine Heldin leider entwickelt.




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