oder

Kritik: Eine Handvoll Wasser (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Eine Handvoll Wasser" ist das neueste Werk des 37-jährigen Regisseurs und Produzenten Jakob Zapf. Geboren in Paderborn, hat er den Großteil seiner Jugend im bayerischen Friedberg verbracht. Zum Studium zog es ihn nach Frankfurt am Main. Zapf lernte Hauptdarsteller Prochnow vor knapp zehn Jahren im Rahmen der Dreharbeiten zu seinem Film "Sein Kampf" kennen. Prochnow gehört seit über 40 Jahren zu den populärsten deutschen Darstellern im internationalen und deutschsprachigen Kino.

Die Grundprämisse von "Eine Handvoll Wasser" ist nicht neu: Ein (gar nicht mal so) hilfloses, aufgewecktes Kind erweicht das Herz eines vom Leben gezeichneten und gebeutelten, miesepetrigen alten Mannes. Zwei unterschiedliche Menschen, die vom Alter und ihrer Lebenswirklichkeit nicht weiter voneinander entfernt liegen könnten, treffen hier aufeinander und schließen – trotz aller Unterschiedlichkeit – Freundschaft.

Leider nimmt sich der Film nicht die benötigte Zeit, um die Schicksale der beiden Figuren näher zu beleuchten. Klar, der Zuschauer erfährt, dass Thurba und ihre Familie aus dem Jemen stammen und nach Bulgarien, dem Ort des ersten Asylantrags, zurückkehren sollen. Ihr Ziel: das weit entferne England. Auch über Konrad erhält man ein paar biographische Infos und dass er eher konservative Ansichten (so ist er nicht gerade glücklich über die Homosexualität seiner Tochter) vertritt, aber richtig in die Tiefe geht "Eine Handvoll Wasser" bei der Charakterisierung leider nie.

Dafür funktioniert das Zusammenspiel der beiden Darsteller ausgenommen gut. Zwischen dem erfahrenen Charaktermimen Prochnow und der erfrischend aufspielenden Milena Pribak stimmt die Harmonie. Spannungsmomente entstehen zudem durch den in die Haupthandlung eingeflochtenen Nebenstrang um die Verfolgungsjagd durch die Polizei, die dem Film Dramatik und Tempo verleihen.

Besonders schön aber sind dann am Ende vor allem die vielen bildhaften, metaphorischen Entsprechungen und die gelungene Symbolik, die sich unter anderem in Gegenständen wie einem Aquarium oder Lebewesen wie einem Schwarm Vögel manifestiert und in ihnen deutlich wird. Sie alle stehen stellvertretend für universelle Aspekte und Themen wie Freiheit, Freundschaft, Solidarität, Gemeinschaft und das Gefühl des Eingesperrt seins.

Fazit: Ambitioniertes, rührend gespieltes Drama über zwei gegensätzliche Menschen, das bei der Charakterisierung der Protagonisten leider zu oft an der Oberfläche bleibt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.