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Haute Couture - Die Schönheit der Geste (2020)

La beauté du geste

Mobilität dank Mode: französische Tragikomödie über eine scheidende Direktrice, die ihr Wissen an eine Auszubildende weiterreicht.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Esther (Nathalie Baye) steht kurz vor dem Ruhestand. Zwar möchte die erfahrene Direktrice eines bekannten Pariser Modehauses noch lange nicht in Rente, doch ihr Arbeitgeber schickt sie in selbige. Mit ihrer loyalen rechten Hand Catherine (Pascale Arbillot) steht Esthers Nachfolgerin bereits fest. Eines Morgens wird Esther auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn von Jade (Lyna Khoudri) und ihrer besten Freundin Souad (Soumaye Bocoum) die Handtasche gestohlen. Doch Jade plagt ein schlechtes Gewissen. Sie bringt ihr Diebesgut zurück, was Esthers Interesse weckt.

Kurz vor ihrem eigenen Abgang bietet Esther Jade einen Ausbildungsplatz als Schneiderin an. Die junge Frau aus dem Banlieu willigt ein, was nicht allen im Haute-Couture-Atelier gefällt. Während Catherine, die wie Jade aus Saint-Denis stammt, die Auszubildende unterstützt und der hübsche Abel (Adam Bessa) schnell Gefallen an ihr findet, ist die Schneiderin Andrée (Claude Perron) neidisch und lässt Jade ihre Abneigung spüren. Die hat mit ihrer psychisch kranken, bettlägerigen Mutter (Clotilde Courau) derweil ganz andere Probleme.

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Sylvie Ohayon ist Schriftstellerin. Sechs Romane hat die Französin mit jüdisch-tunesischen und kabylischen Wurzeln bereits veröffentlicht. Ihren ersten Roman "Papa was not a Rolling Stone" (2011) hat sie 2014 selbst verfilmt. Darin erzählt die 1970 in La Courneuve geborene und aufgewachsene Ohayon, wie sie das Pariser Banlieu hinter sich ließ. Auch ihr zweiter Film handelt vom Leben an den Rändern der französischen Hauptstadt, ist diesmal aber aus zwei Perspektiven erzählt.

Die von Nathalie Baye gespielte Esther hat es bereits geschafft. Sie ist eine allseits respektierte Direktrice in einem angesehenen Pariser Modehaus. Ein Leben im Zentrum kann sie sich dennoch nicht leisten. Jeden Tag nimmt sie erst den Vorortzug und dann die U-Bahn zur Arbeit. So weit muss es Jade, wunderbar wild und vital von Nachwuchstalent Lyna Khoudri verkörpert, die jüngst in Wes Andersons "The French Dispatch" (2021) als revoltierende Studentin begeisterte, erst noch bringen. Die alte Dame bietet der orientierungslosen Jungen die einmalige Gelegenheit dazu.

Sylvie Ohayon, die das Drehbuch gemeinsam mit ihrer Namensvetterin, der Drehbuchautorin und Regisseurin Sylvie Verheyde ("Stella", "Madame Claude") geschrieben hat, erzählt eine typische Ersatzmutter-Ersatztochter-Geschichte. Esther lebt allein und hat keinerlei Kontakt mehr zu ihrer Tochter. Jade lebt bei ihrer Mutter, die ihr aufgrund einer psychischen Erkrankung keine echte Mutter sein kann. Um die Ausgangslage noch ein wenig aufzuladen, haben Ohayon und Verheyde sie mit jeder Menge Konfliktpotenzial gespickt.

Alt prallt auf Jung, Gesittung auf Großmäuligkeit, Disziplin auf Flatterhaftigkeit, Judentum auf Christentum und Islam, die feine Modebranche auf den sozialen Brennpunkt. Eine klassische Aufsteigergeschichte ist "Haute Couture" aber nicht, da das Drehbuch sich nicht an den üblichen Wendepunkten einer Filmhandlung orientiert. Stattdessen lässt sich die Geschichte gemeinsam mit ihren Figuren immer wieder treiben. Dem wahren Leben kommt das wohl näher, für 100 Minuten ist das aber insgesamt zu viel Hin und Her.

Fazit: Der zweite Spielfilm der Schriftstellerin Sylvie Ohayon erzählt von einer orientierungslosen jungen Frau aus einem Pariser Banlieu, die von einer Dame kurz vor der Rente unter ihre Fittiche genommen wird. Was wie eine klassische Aufsteigergeschichte beginnt, lässt schnell den nötigen dramaturgischen Fokus vermissen. Eine gelungene, aber letztlich auch zu unentschlossene Tragikomödie über Mütter und Töchter, Lehrerinnen und Schülerinnen und die Lebenslektionen eines altehrwürdigen Handwerks.




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Land: Frankreich
Jahr: 2020
Genre: Drama, Komödie
Länge: 101 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 21.04.2022
Regie: Sylvie Ohayon
Darsteller: Nathalie Baye als Esther, Lyna Khoudri als Jade, Pascale Arbillot als Catherine
Verleih: Central Film, Wild Bunch

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