oder

Kritik: Wer wir waren (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm "Wer wir waren" des Autors, Regisseurs und Produzenten Marc Bauder ("Master of the Universe") geht der spannungsreichen Frage nach, was zukünftige Generationen wohl über uns denken werden, wenn wir bereits Geschichte sind. Er führt uns ins Weltall und in die Tiefen des Ozeans und lässt uns an Vorträgen und Gedanken teilhaben, die sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft unseres Planeten betreffen. Wie relevant dieses Thema ist, zeigte kürzlich etwa wieder das betont vorwurfsvolle Statement der jungen schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg beim Austrian World Summit.

Im Zentrum des Werks stehen sechs Personen und deren Tätigkeiten. So begleitet Bauder die Ozeanologin Sylvia Earle, den Astronauten Alexander Gerst, die Technik- und Medienphilosophin Janina Loh, den Molekularbiologen und Mönch Matthieu Ricard, den Sozialwissenschaftler Felwine Sarr und den Ökonom Dennis Snower im Alltag und lässt sie in Interviews zu Wort kommen. Es geht unter anderem um die Ungeheuerlichkeit des Menschen (in Anbetracht der Nuklearkatastrophe von Fukushima), um die Möglichkeit, Mitgefühl ähnlich wie Lesen und Schreiben zu lernen, oder um Fische und deren Fähigkeiten – etwa Grönlandhaie, die einige hundert Jahre alt werden können. Es ist inspirierend und erhellend, diesen Menschen zuzuschauen und zuzuhören.

Spürbar ist – neben den Überlegungen der genannten Personen – der Geist des Schriftstellers Roger Willemsen (1955-2016), der bis kurz vor seinem Tod an einem neuen Buch mit dem Titel "Wer wir waren" arbeitete. Bauder beruft sich auf Willemsens weitblickende Gedanken. Darüber hinaus wartet der Film mit eindrücklichen Bildkompositionen auf (Kamera: Börres Weiffenbach). Insgesamt ist Bauders Werk sehr ehrlich und gibt sich keinen Illusionen hin, ist aber zugleich hoffnungsvoll. Verstehen sollten wir den Film als Aufforderung, (mehr) Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen herbeizuführen.

Fazit: Ein sehr interessanter und anregender Einblick in wissenschaftliche und philosophische Erkenntnisse – und obendrein ein wichtiger Appell an uns alle.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.