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Auf alles, was uns glücklich macht
Auf alles, was uns glücklich macht
© Prokino

Kritik: Auf alles, was uns glücklich macht (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Regisseur Gabriele Muccino ("Zuhause ist es am schönsten") spannt den erzählerischen Bogen seines Films über einen Zeitraum von 40 Jahren. Am Beginn der 1980er Jahre gehen die Freunde Giulio, Paolo, Riccardo und Gemma noch zur Schule, am Schluss der Geschichte stehen die Kinder, die einige von ihnen haben, an der Schwelle zum Erwachsensein. In dem unterhaltsamen, auch humorvollen Drama verfolgt Muccino die Entwicklung aller vier Charaktere vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels. Allen Zerreißproben, Enttäuschungen und Veränderungen zum Trotz kreuzen sich die Wege dieser vier Menschen immer wieder. So ergründet der Film auf berührende Weise auch das Wesen einer lebenslangen Freundschaft.

Als Giulio in den 1980ern ein schrottreifes Auto wieder zum Fahren bringt und mit den Freunden eine Spritztour unternimmt, erleben die Vier ein paar Stunden im Rausch der Freiheit und des jugendlichen Glücks. Die Welt steht ihnen offen, und zusammen sind sie unschlagbar! Aber das Leben lässt sie verschiedene Richtungen einschlagen. Der Anwalt Giulio lässt sich von Macht und Reichtum verführen, verteidigt einen korrupten Politiker und verrät nach Meinung Riccardos seine Ideale von einst. Riccardo wird irgendwie nicht erwachsen, Paolo führt ein moralisch einwandfreies, aber lange einsames Leben und die unstete Gemma scheitert wiederholt auf ihrem Weg. Das Schöne aber ist, dass sie alle neue Chancen bekommen. Die unterschiedlichen Charaktere und ihre überzeugenden Darsteller*innen sorgen dafür, dass die Geschichte lebendig bleibt und zuverlässig das Herz anspricht.

Muccinos Film ist auch eine Hommage an das italienische Kino. So ließ sich der Regisseur von Ettore Scolas "Wir waren so verliebt" aus dem Jahr 1974 inspirieren. Auch erweist er mit gleich zwei Szenen am Trevi-Brunnen in Rom Fellinis "La dolce vita" seine Reverenz. Mit den erzählerischen Möglichkeiten des Mediums Film befasst sich Muccino auf originelle, aber nicht aufdringliche Weise, indem sich die Charaktere beispielsweise wiederholt direkt an das Publikum wenden, um über sich zu sprechen. Oder indem in einer sehr schönen Szene das Vergehen der Jahre in einer einzigen fortlaufenden Bewegung dargestellt wird. Wie das Kino selbst repräsentieren die Figuren nicht nur ihre Epoche, sondern auch die zeitlose Kraft der Träume.

Fazit: Gabriele Muccinos berührendes, humorvolles Drama über die Kraft der Freundschaft umspannt einen Zeitraum von 40 Jahren. Giulio, Paolo, Riccardo und Gemma genießen als Jugendliche Momente perfekten Glücks, bevor die Liebe, die Karriere, zerplatzte Träume ihre Beziehung in turbulente Fahrwasser führen. Auch als Hommage an das italienische Kino gedacht, zeichnet Muccinos Film das lebhafte Bild einer Gesellschaft im Wandel. In der Art, wie die unterschiedlichen, sehr gut gespielten Charaktere versuchen, sich im Leben einzurichten, werden sich wohl viele Zuschauer*innen ein Stück weit wiederfinden können.





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