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Das Mädchen deiner Träume
Das Mädchen deiner Träume
© Splendid Film © 24 Bilder

Kritik: Das Mädchen deiner Träume (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Das Mädchen deiner Träume" ist der sechste abendfüllende Film des Australiers Luke Eve, dessen berufliche und künstlerische Laufbahn bislang äußerst vielseitig verlief. Angefangen hat er als freiberuflicher Fotograf, bevor er begann Musikvideos und Werbeclips zu drehen. Einige Zeit später landete er in der Film- und TV-Branche. Dort wirkt er seit 2001 als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur. "Das Mädchen deiner Träume" entstand zu weiten Teilen an Originalschauplätzen, unter anderem in Sydney und im westaustralischen Perth.

Zugegeben: Die Story von "Das Mädchen deiner Träume" klingt süßlich, kitschig und erwartbar, aber Regisseur Eve schafft es tatsächlich, in seinem Romantik-Drama für überraschende Momente und Abwechslung zu sorgen. Und für eine reflektierte, glaubhafte Darstellung einer schweren psychischen Krankheit, die sich nur mittels Medikamente in Schach halten lässt. So zeigt Eve die Auswirkungen, wenn Devon sich dazu entscheidet, mit seiner Medikation zu experimentieren. Denn der junge Mann ist der Ansicht, dass er ohne Pillen wacher und präsenter ist – und er so besser und intensiver am Leben teilnehmen kann.

Doch die Schizophrenie ist eine heimtückische Erkrankung, die die Wahrnehmung trübt und sich bei Betroffenen auf mannigfaltige Weise zeigen kann. Eve nimmt sich die Zeit und lotet Devons "Einschränkung" ausführlich aus, in dem er die Symptome und Folgen für seine Alltagsbewältigung zeigt: die emotionalen Attacken und Anfälle, der Selbsthass, die Einbildungen, die Stimmen im Kopf, der Hang zu risikobehaftetem Verhalten und die Absetzungserscheinungen.

Brenton Thwaites spielt dies alles sehr glaubwürdig und beeindruckt mit einer wahrhaftigen Leinwandpräsenz. Gut ist auch, dass Eve die Folgen der Krankheit auf das Leben der Mitmenschen und Angehörigen zeigt. So wird es für Nick, der sich bislang immer um seinen Bruder kümmerte, nach seiner Hochzeit und konkreter werdenden Familienplanungen, zunehmend schwerer, seine Rolle als "Pfleger" und künftiger Familienvater unter einen Hut zu bekommen.

Kurzweilig und unterhaltsam gestaltet sich der Roadtrip selbst, auf dem die Beteiligten allerlei skurrile Erlebnisse haben, witzige Bekanntschaften schließen und die Vielfalt eines (vor allem landschaftlich) beeindruckenden Landes erleben. Nur zwei Dinge hätte sich Eve sparen können: die schmalzige Rührselig- und Erwartbarkeit des ersten Aufeinandertreffens der beiden Liebenden und die vielen verzichtbaren, inhaltsleeren Kalendersprüche ("Willst du die Welt überleben, dann gib‘ dich dem Chaos hin").

Fazit: Überraschend tiefsinniges, seine Figuren mit Respekt behandelndes romantisches Liebesdrama, das sich einige unnötige Dialoge und One-Liner sowie ein paar dröge Weisheiten nicht verkneifen kann.




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