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The United States vs. Billie Holiday
The United States vs. Billie Holiday
© Central Film © Wild Bunch

The United States vs. Billie Holiday (2021)

Nobody's Business: US-Biopic über die titelgebende Sängerin, die in ihren letzten Lebensjahren von den Behörden verfolgt und schikaniert wurde.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Die USA in den 1940er-Jahren: Die Sängerin Billie Holiday (Andra Day) geht im New Yorker Jazzklub Café Society ein und aus. Das Publikum möchte vornehmlich "Strange Fruit" von ihr hören. Das Lied, das von Lynchmorden in den Südstaaten handelt, ist den Behörden allerdings ein Dorn im Auge. Doch weil sich Holiday nicht den Mund verbieten lässt, setzt Harry J. Anslinger (Garrett Hedlund), der Chef des Federal Bureau of Narcotics (FBN), seinen Agenten Jimmy Fletcher (Trevante Rhodes) auf die Sängerin an, um sie für ihre Heroinsucht dingfest zu machen.

Holiday landet im Gefängnis und startet nach verbüßter Strafe ein Comeback. Mit ihrer Entourage aus Musikern und engen Freunden (Da'Vine Joy Randolph, Miss Freddy, Tyler James Williams u. a.) tourt sie durch die USA. Agent Fletcher heftet sich an ihre Fersen. Je näher er der Sängerin kommt, desto mehr ändern sich seine Meinung über sie und die Einstellung zu seinem Beruf. Billie Holiday kämpft derweil an mehreren Fronten: gegen ihre Sucht, gegen die Verfolgung durch die Behörden und mit den Männern an ihrer Seite.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Die Oscarverleihung ist immer wieder scharfer Kritik ausgesetzt. Mal sind die nominierten Filme nicht populär genug, mal die nominierten Filmschaffenden zu weiß, ergo: nicht ausreichend divers. Die Einschaltquote sinkt kontinuierlich und dürfte auch in diesem Jahr, in dem die Preisvergabe wegen der COVID-19-Pandemie auf mehrere Orte verteilt ist, nicht zu neuen Höhenflügen ansetzen. Auch ist dieser Jahrgang pandemiebedingt nicht der stärkste. So divers und politisch war er jedoch schon lange nicht mehr. Eine der Nominierten ist Andra Day, die Hauptdarstellerin dieses Films.

"The United States vs. Billie Holiday" ist mehr politischer Film als Biopic und ein Beleg dafür, dass das Internet der Kinobranche weiter heftig Konkurrenz macht. Der neue Film des Regisseurs Lee Daniels (zwei Oscarnominierungen für "Precious", 2009) wurde zwar nicht von einem Streaminganbieter produziert, aber von einem gekauft und vertrieben: dem amerikanischen Video-on-Demand-Service Hulu. Dort feierte er am 26. Februar 2021 Premiere. Auch in Deutschland ist das Musikdrama nur digital zu sehen. Es startet am 23. April 2021 – pünktlich vor der 93. Oscarverleihung, die zwei Tage später über die Bühne geht.

Als Inspirationsquelle diente Johann Haris Sachbuch "Chasing the Scream: The First and Last Days of the War on Drugs". Daran wird deutlich, dass es Drehbuchautorin Suzan-Lori Parks und Regisseur Daniels nicht um Holidays komplettes Leben von der Wiege bis zur Bahre geht, sondern um ihre letzten Jahre, in denen ihre Heroinsucht der US-Drogenbehörde FBN als Vorwand diente, um eine kritische Stimme mundtot zu machen. Dieser Ansatz, Billie Holiday als Vorreiterin der Bürgerrechtsbewegung zu denken und an ihrem Beispiel gleichzeitig den Krieg gegen Drogen als Krieg gegen Schwarze aufzuzeigen, ist ebenso spannend wie gelungen. Daniels' Inszenierung ist es weniger.

Die Wahl der formalen Mittel ist ein ästhetisches Durcheinander. So schön dieses Drama auch ausgestattet, ausgeleuchtet und fotografiert ist, erzählerisch verheddert sich Daniels wiederholt in einer holprigen Mischung aus Rahmenhandlung, Rückblenden, Drogenrauschsequenzen und symbolischen Szenen. Und auch visuell dominiert der Wildwuchs: Wunderbar ruhig eingefangene Szenen wechseln sich mit schnellen Montagesequenzen, eingeschobenen Archivfotos, Zeitraffer und einer Unzahl an unmotivierten Überblendungen ab. Tempo und Timing lassen zu wünschen übrig.

Zusammengehalten wird all das von der famos aufspielenden Andra Day. Die Musikerin vermag es nicht nur, Billie Holidays heisere, rauchige und zerbrechliche Stimme perfekt zu imitieren, in ihrer ersten Hauptrolle glänzt sie auch durch eine enorme darstellerische Bandbreite. Daniels erzählt von einer Frau, die in Armut aufwuchs, früh traumatisiert wurde und immer wieder an die falschen Männer gerät. Day spielt diese Frau aber nicht als Opfer, sondern als ebenso selbstbewusste wie selbstbestimmte Person. Eine emanzipierte Frau mit Rückgrat, die sich weder vorschreiben lässt, wen sie lieben, noch, was sie tun und lassen soll. Die Wahl ihrer Männer, so falsch sie auch sein mag, ist ihre Entscheidung. Dazu zu stehen, auch darin liegt Größe.

Daniels' Drama ist nicht das erste über die berühmte Sängerin. Vor beinahe 50 Jahren spielte Diana Ross in "Lady Sings the Blues" (1972) Billie Holiday. Auch für Ross war es die erste Hauptrolle in einem Kinofilm und auch ihr brachte die Darbietung eine Oscarnominierung ein. Am Ende verlor sie gegen Liza Minnelli in "Cabaret" (1972). Die Chancen, dass Andra Day die Trophäe mit nach Hause nimmt, stehen deutlich besser.

Fazit: Lee Daniels' formal durchwachsenes Biopic über Billie Holiday macht aus den letzten Jahren der berühmten Jazzsängerin ein politisches Drama. Ein Film über ein kompromissloses Leben einer selbstbestimmten Frau – ungeschminkt und mit einer herausragenden Hauptdarstellerin.




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Land: USA
Jahr: 2021
Genre: Drama, Biopic
Länge: 130 Minuten
Regie: Lee Daniels
Darsteller: Andra Day als Billie Holiday, Leslie Jordan, Miss Lawrence
Verleih: Central Film, Wild Bunch

Awards - Oscar 2021Weitere Infos

  • Beste darstellerische Leistung (weibliche Hauptrolle) - Andra Day

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