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Zimmer 212 - In einer magischen Nacht
Zimmer 212 - In einer magischen Nacht

Kritik: Zimmer 212 - In einer magischen Nacht (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit der surrealen Tragikomödie "Zimmer 212 – In einer magischen Nacht" beweist der französische Regisseur Christophe Honoré ("Meine Mutter") abermals seinen Einfallsreichtum. Hierfür hat er zwei Stars mit an Bord geholt, die bereits zuvor mit ihm zusammengearbeitet haben: Hauptdarstellerin Chiara Mastroianni schickte er unter anderem schon in "Chanson der Liebe" (2007) und "Die Liebenden" (2011) durch emotionale Abenteuer; mit Vincent Lacoste drehte er das einfühlsame Drama "Sorry Angel" (2018).

Sein neuestes Werk mutet zunächst sehr viel leichter an als die genannten Filme. So beginnt "Zimmer 212" mit einer herrlich überdrehten Szene, in der sich die Protagonistin Maria hinter einem Vorhang vor der Verlobten ihres jungen Geliebten versteckt – bis ihr das Ganze zu albern wird und sie mit klaren Worten dem frivolen Spiel ein Ende bereitet. Auch im weiteren Verlauf setzt Honoré oft auf Situationskomik, ein flottes Tempo und Dialogwitz – etwa wenn Maria verblüffend abgebrüht auf die Fremdgeh-Vorwürfe ihres betrogenen Ehemanns Richard reagiert: Es sei schließlich "einfach nur vergnüglicher Sex" gewesen. Mit großem Spaß und viel Energie nimmt die Handlung immer absurdere Züge an, Traum und Wirklichkeit sowie Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen dabei zusehends. Mit seinem Kameramann Rémy Chevrin realisiert Honoré innerhalb der charmant gestalteten Schauplätze etliche schöne visuelle Ideen.

Bei allem Vergnügen wartet "Zimmer 212" indes auch mit nachdenklichen Tönen auf. "Was wäre, wenn…?", müssen sich die Figuren immer wieder fragen – und finden darauf durchaus ambivalente Antworten. Waren alle getroffenen Entscheidungen richtig? Hätte ein anderer Weg vielleicht zu einem größeren Glück geführt? Während viel geraucht und geredet wird, erhalten auch ruhigere Momente und ernstere Themen ihren Raum.

Fazit: Eine kreativ in Szene gesetzte, spielfreudig interpretierte Komödie, die sich ihren Lebensfragen auf unterhaltsame und doch tiefgründige Weise widmet.




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