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Kritik: Der wilde Wald - Natur Natur sein lassen (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wirklich unberührte Natur ist eine Seltenheit. Die Wälder um uns herum, so schön sie im Auge des Betrachters auch aussehen mögen, sind fast ausschließlich Nutzwälder und dementsprechend von Menschenhand gemacht. Ihre Symmetrie, ihre Blüte, die Abwesenheit von Totholz – all das ist auch immer künstlich erzeugt. Nur noch ein Prozent der Fläche Europas ist tatsächlich vom Menschen unberührt. Angesichts des Klimawandels und des Artensterbens sind Nationalparks wie die in diesem Film vorgestellten daher umso wichtiger.

Lisa Eder ist nahe des Nationalparks aufgewachsen und hat die Kontroversen um ihn miterlebt. Anlässlich seines bevorstehenden 50. Geburtstags im Jahr 2020 konnte sie zwei Jahre lang im Park drehen. Eder nutzt die Gelegenheit nicht nur für wunderschöne Naturaufnahmen, sondern auch, um mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. Dafür hat sie mit Menschen gesprochen, die auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Nationalpark zu tun haben. Durch die Augen dieser Interviewpartner hat sich auch Eder dem Wald aus verschiedenen Perspektiven genähert.

Die Kritik am Park und seiner Konzeption hängt in erster Linie mit einer allzu menschlichen Fehlinterpretation zusammen. Sie flammt immer dann auf, wenn es dem Wald vermeintlich schlecht geht, weil er schlecht aussieht: nach Sturmschäden oder nach einem Borkenkäferbefall. Für die Kritiker ein Beweis, dass man den Wald nicht sich selbst überlassen könne. Ohne ein Eingreifen des Menschen stürbe er, lautet ihr Vorwurf. Doch bisher hat er sich jedes Mal erholt. Und das Publikum lernt: Ein toter Baum ist zunächst einmal nichts Schlechtes, denn er macht Nachzüglern Platz, die andernfalls nicht wachsen würden.

Die Regisseurin macht aus ihrem Anliegen keinen Hehl. Vertreter der Holzwirtschaft kommen in ihrem Film nicht vor. Und der interviewte Förster Peter Langhammer setzt sich für ein Umdenken der Branche ein. Eders Film ist ein Plädoyer für mehr Umweltschutz und für einen Rückzug des Menschen aus der Natur, um sie für künftige Generationen zu erhalten. Dabei lernt das Publikum viel und wird mit atemberaubenden Aufnahmen und einer verblüffenden Artenvielfalt belohnt. Erzählerisch hätten es aber gern etwas weniger Interviewpartner und Perspektiven und dafür eine klarere Struktur sein dürfen.

Fazit: Lisa Eder hat einen wunderschön anzusehenden und lehrreichen Dokumentarfilm mit einem klaren Anliegen gedreht. "Der wilde Wald" ist ein Plädoyer für mehr Umweltschutz und weniger Eingriffe durch den Menschen. Der Film zeigt, was passiert, wenn wir die Natur Natur sein lassen.




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