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Kritik: Hillbilly Elegy (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Viel ist nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten über das soziale Gefälle zwischen den großen Städten und dem flachen Land in Amerika die Rede gewesen. Jahrzehntelang hat die Politik die Bevölkerung in der Provinz vernachlässigt. In Regionen wie den Appalachen und dem Rust Belt leben Familien seit mehreren Generationen in Armut, Drogen- und Alkoholmissbrauch sind verbreitet. Der Regisseur Ron Howard ("Illuminati") hat die gleichnamige Autobiografie von J.D. Vance verfilmt, der es aus einer kaputten Familie in Ohio zum an der Elite-Universität Yale ausgebildeten Juristen schaffte.

Das Drama hat zwei Oscarnominierungen erhalten, einen für die beste weibliche Nebenrolle – Glenn Close als Großmutter Mamaw -, und einen fürs Make-up. In der Tat spielt Close die alte Frau, mit der nicht gut Kirschen essen ist, mit starker Leinwandpräsenz. Sie verkörpert den emotionalen Zwiespalt, der J.D.s ganze Kindheit durchzieht. Einerseits gibt sie ihm Halt und vermittelt ihm Familiensinn, andererseits kann sie in ihrem Zorn unberechenbar sein und hat seine Mutter schwer traumatisiert. Vance spart im Buch nicht mit Kritik über die abfällig als Hillbillies oder Hinterwäldler bezeichneten Familienclans irischer Abstammung aus den Appalachen, die das Gesetz gerne in die eigene Hand nehmen und sich nach außen abschotten. Da im Film eine Erzählstimme fehlt, kommen seine Gedanken darin kaum zur Geltung. So wirkt der Film trotz drastischer, brutaler Szenen paradoxerweise auch geglättet.

Amy Adams spielt ihren Charakter der Mutter Bev beeindruckend, als eine Frau, die zunehmend den Halt im Leben verliert. Spannung erhält die Handlung dadurch, dass Bev gerade in dem Moment wieder abstürzt, als J.D. sein Studium in Yale finanziell absichern will. Er muss jetzt an sich denken – aber wie soll das möglich sein, wenn die suchtkranke Mutter von ihrem Freund gerade aus der Wohnung geworfen wird?

J.D. selbst wird von Gabriel Basso und als Kind von Owen Asztalos ebenfalls sehr glaubhaft gespielt. Der gutmütige Junge und später junge Mann hat eine enorme seelische Last zu schultern. Die Rückblenden erklären das Schritt für Schritt, aber sie bremsen die Handlung auf der Gegenwartsebene des Jahres 2011 leider auch immer wieder aus. Außerdem kann der Film nicht mit der nötigen Ausführlichkeit aufzeigen, wie groß die Anstrengungen waren, die J.D. auf sich nahm, um sich aus seinem Milieu herauszuschälen.

Fazit: Regisseur Ron Howard gelingt eine recht ordentliche Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Bestsellers von J.D. Vance. Als der aufstrebende Yale-Student J.D. ans Krankenbett seiner drogenabhängigen Mutter gerufen wird, werden Erinnerungen an eine Kindheit in äußerst schwierigen Verhältnissen in ihm wach. Der Film konzentriert sich weniger auf die Anstrengungen des Protagonisten, dem Milieu arbeitsloser Hillbillies zu entkommen, als auf die zwiespältigen Beziehungen, die ihn prägten. Dazu gehört vor allem die zur von Glenn Close kraftvoll gespielten Großmutter Mamaw.






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