oder

Kritik: Mary Bauermeister - Eins und eins ist drei (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

In ihrem dokumentarischen Porträt "Mary Bauermeister – Eins und eins ist drei" widmet sich die Regisseurin Carmen Belaschk dem Leben und Werk der 1934 geborenen Künstlerin. Über den Zeitraum eines Jahres begleitet der Film Bauermeister und zeigt sie in ihrem Atelier bei Köln sowie auf Reisen, etwa nach New York. Dabei kommt ihr Belaschk auf überaus einfühlsame Weise sehr nah. Es gelingt dem Werk, sowohl filmisch ansprechend zu sein als auch der Person Mary Bauermeister und deren Bedeutung für die internationale Kunstwelt gerecht zu werden. Von den ersten Bildern, die Bauermeister beim Sammeln von Steinen einfangen, bis zur unfassbar schönen Schlusseinstellung nimmt der Film ganz für sich ein.

Durch Fotografien von damals und einige Archivaufnahmen, darunter die Aufzeichnung einer Gesprächsrunde unter Kunstschaffenden, erhalten wir einen Eindruck davon, wie einflussreich Bauermeister in den 1960er Jahren auf die Szene war – und wie ihr selbstbestimmtes Leben in New York als erfolgreiche Künstlerin aussah. Auch die Liebe zu Karlheinz Stockhausen und das familiäre Leben in Deutschland wird anschaulich vermittelt – nicht zuletzt dank der offenen und ehrlichen Schilderungen des Sohnes. Hinzu kommen Animationen, die vergangene Lebensabschnitte und Empfindungen Bauermeisters wunderbar visualisieren.

Die stärksten Momente sind indes die, in denen Bauermeister im Hier und Jetzt, mit 85 Jahren, erfasst wird: eine stets reflektierende Frau, die eine eindrückliche Gelassenheit ausstrahlt – selbst wenn sie über ihre Krebserkrankung spricht. Es macht Spaß, sie beim Arbeiten zu beobachten ("Jeder Fehler wird sofort integriert", sagt sie angesichts eines Kratzers); und ihr Humor ist schlichtweg umwerfend – etwa wenn sie scherzhaft meint, das Bundesverdienstkreuz als "rote Socke" eigentlich ablehnen zu müssen. Sie sei "eher im Himmel zu Hause als auf der Erde", heißt es an einer Stelle lobend – doch in ihrer klugen Art wirkt Bauermeister absolut bodenständig.

Fazit: Ein feinfühliger, stimmungsvoller und sehr kreativ umgesetzter Film über eine großartige Künstlerin und Person.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.