oder

Kritik: Kollektiv: Korruption Tötet (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Während in Deutschland Misstrauen gegenüber den Medien und sogar ihre Diffamierung als "Lügenpresse" um sich greifen, feiern in Rumänien Demonstrierende auf den Straßen den Mut investigativer Journalist*innen. Es ist das Jahr 2016, als Mitarbeiter*innen einer Sportzeitung kriminelle Machenschaften in Bukarester Krankenhäusern aufdecken. Mit dem Wissen der Klinikleitungen wurden stark verdünnte Desinfektionsmittel eingesetzt. 37 der Verletzten, die sich nach dem Diskothekenbrand von 2015 behandeln ließen, zogen sich tödliche Bakterieninfektionen zu. Der aus Rumänien stammende Dokumentarfilmer Alexander Nanau hat den Journalist*innen bei der Arbeit zugeschaut und einen Enthüllungsprozess begleitet, der ein riesiges Ausmaß systematischer, politisch geduldeter oder sogar geförderter Korruption ohne Rücksicht auf Menschenleben offenlegt.

Mit seinen brisanten Inhalten und atemberaubender Spannung kann sich dieser hervorragende, mit dem Europäischen Filmpreis 2020 ausgezeichnete Dokumentarfilm locker mit einem Spielfilm wie "Spotlight" messen. Er demonstriert, das die Wächterfunktion der freien Presse unerlässlich für eine demokratische Gesellschaft ist. Nanaus Film wurde gleich zweimal für den Oscar nominiert, als Bester Dokumentarfilm und Bester fremdsprachiger Film. Schritt für Schritt blättert er Ungeheuerliches auf. Während er dem jungen Interimsminister für Gesundheit, der die Zustände ändern soll, über die Schulter schaut, wird erschreckend klar: Es fehlen die funktionierenden Strukturen, das Wissen, wie sich das Gesundheitswesen verlässlich kontrollieren lässt. Der junge Minister braucht seinerseits die Rückendeckung der Öffentlichkeit, um gegen korrupte Mediziner*innen und Politiker*innen vorzugehen. Die mühsamen Erfolge sind labil – die Parlamentswahlen gewinnen jene, die Steuererleichterungen versprochen haben, nicht Korruptionsbekämpfung.

Die aufwühlenden Aufdeckungen werden flankiert von ruhigen, aber nicht minder bewegenden Passagen, in denen es um die Opfer und ihre Angehörigen geht. Eine junge Frau mit verbrannten Armen und Händen posiert für eine Fotoausstellung, eine Familie besucht das Grab des verstorbenen Sohnes. Der engagierte Film zeigt mit ihnen, dass unschuldige Bürger*innen den Preis für kriminelle Misswirtschaft zu bezahlen haben.

Fazit: Der hervorragende Dokumentarfilm beobachtet, wie ein kleines Team investigativer Journalisten und Journalistinnen einen Korruptionskandal nach dem anderem im rumänischen Gesundheitswesen aufdeckt. 37 Menschen, die nach dem Brand in einer Bukarester Diskothek 2015 in Kliniken behandelt wurden, starben an Keiminfektionen. Als Ursache erweisen sich verdünnte Desinfektionsmittel, fehlende Qualitätskontrollen und Klinikpersonal, das mit Schmiergeldern oder Drohungen zum Schweigen gebracht wurde. Unter der Regie von Alexander Nanau führt der von atemberaubender Spannung durchzogene Film den Wert einer freien Presse vor Augen und zeigt, wie schwer es sein kann, ein System zu reformieren, in das sich die Korruption eingenistet hat.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.