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Der weiße Tiger (2021)

The White Tiger

Slumdog Entrepreneur: Ramin Bahrani hat Aravind Adigas gleichnamigen Roman verfilmt und daraus ein bitterböses Schelmenstück über das indische Kastensystem gemacht.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Balram Halwai (Adarsh Gourav) wächst im indischen Laxmangarh auf und ist ein talentierter Schüler. Sogar so talentiert, dass er als "weißer Tiger", als jemand, der nur alle 100 Jahre geboren werde, bezeichnet und ihm ein Stipendium für eine höhere Bildung in Delhi in Aussicht gestellt wird. Doch Balrams Vater (Satish Kumar) schuldet dem örtlichen Großgrundbesitzer, "der Storch" (Mahesh Manjreka) genannt, Geld und muss die Schule abbrechen, um in einem Teeladen zu arbeiten.

Jahre später, nachdem sein Vater an Tuberkulose gestorben ist, beschließt Balram, als Fahrer bei Herrn Ashok (Rajkummar Rao), dem Sohn des "Storchs", und dessen indisch-amerikanischer Frau Pinky (Priyanka Chopra) anzuheuern. Balram ist skrupellos gegenüber beruflichen Konkurrenten, seinem Arbeitgeber aber treu ergeben. Bis ein tragisches Ereignis alles ändert.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Journalist und Auslandskorrespondent Aravind Adiga hatte als Schriftsteller aus dem Stand Erfolg. Sein Debütroman "Der weiße Tiger" gewann 2008 den renomierten Booker Prize. Dass der Roman verfilmt werden würde, war nur eine Frage der Zeit. Adigas Blick auf sein Heimatland (es ist der Blick eines hervorragend Ausgebildeten, der als Jugendlicher mit seiner Familie nach Australien emigrierte, später in New York studierte und als Journalist nach Indien zurückkehrte) war schlicht zu entwaffnend, um nicht adaptiert zu werden. Schon der Roman ist ganz großes Kino.

Der grandiose Kunstgriff des Romans wie seiner Verfilmung ist die Erzählperspektive. Der Icherzähler Balram Halwai (Adarsh Gourav) adressiert das Publikum nicht direkt. Er schreibt eine E-Mail an Chinas Ministerpräsidenten Wen Jiabao, der Indien besucht und den Balram gern treffen möchte, um sich unter vier Augen zu unterhalten und dem Staatsmann Tipps zu geben. Dieser eingebaute erzählerische Filter ist ebenso simpel wie genial, ermöglicht er doch, sowohl einen unzuverlässigen Erzähler zu etablieren als auch die Perspektive vom abstiegsbedrohten Westen auf den aufstrebenden Osten zu verschieben.

Die Geschichte über einen indischen Jungen, der aus armen Verhältnissen aufsteigt, erinnert zwangsläufig an Danny Boyles Romanverfilmung und Oscar-Hit "Slumdog Millionär" (2008). Davon könnte "Der weiße Tiger" kaum weiter entfernt sein. Zum einen inszeniert Regisseur Ramin Bahrani sein Schelmenstück weitaus zurückhaltender als Boyle. Bei ihm drängen sich Kamera und Schnitt nicht in den Vordergrund. Auch sein Film sieht exzellent aus, doch die Bühne gehört dem Ensemble. Zum anderen ist diese Geschichte kein buntes Wohlfühl-Märchen, sondern eine schwarzhumorige Aufstiegs-Moritat.

Schauspiel und Dialoge sind ausgezeichnet. Mehr als einmal bekommen der Kolonialismus, der Westen und dessen Blick auf Indien ihr Fett weg. Auch gegen "Slumdog Millionär" teilt der Film einen Seitenhieb aus. Im Zentrum steht jedoch das indische Kastensystem, das metaphorisch wie konkret in seine Einzelteile zerlegt wird. Newcomer Adarsh Gourav trumpft in der Hauptrolle preisverdächtig auf und trägt diesen Film mühelos. Ihm gelingt das Kunststück, seinen im Kern verachtenswerten Charakter sympathisch zu machen.

Fazit: Diese Romanverfilmung ist großes Kino. Regisseur Ramin Bahrani legt ein schwarzhumoriges Schelmenstück über den Aufstieg in Indiens Kastensystem hin. Der Film ist pointiert geschrieben, exzellent gespielt und so facettenreich wie seine Hauptfigur: skrupellos, bitterböse, liebenswert und urkomisch.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Indien, USA
Jahr: 2021
Genre: Drama, Krimi
Länge: 125 Minuten
FSK: 16
Regie: Ramin Bahrani
Darsteller: Adarsh Gourav, Raj Kumar Yadav, Priyanka Chopra
Verleih: Netflix

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