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Julia muss sterben
Julia muss sterben
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Kritik: Julia muss sterben (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Formal streng konzipierte Filme sind eher die Ausnahme denn die Regel. Noch seltener sind solche, denen dieses strenge Konzept nicht anzumerken ist. "Julia muss sterben" zählt dazu. Obwohl der Film die drei Aristotelischen Einheiten von Zeit, Raum und Handlung mehr oder minder einhält, fällt es beim Zusehen kaum auf. Denn diese Komödie ist so beschwingt inszeniert, dass das Publikum schnell vergisst, hier einer Handvoll Figuren an nur einem einzigen Ort über den Verlauf eines einzigen Tages beizuwohnen.

Regisseur und Drehbuchautor Marco Gadge hat zahlreiche prämierte Kurzfilme und Episoden für Fernsehserien gedreht. "Julia muss sterben" ist sein erster langer Spielfilm. Der Handlungsort seiner Komödie fungiert als Mikrokosmos unserer Gesellschaft. In langen Einstellungen und Kamerafahrten prallt hier die Kunst auf das Leben und auf die Realpolitik. Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Hier werden Hochmut und Heuchelei amüsant entlarvt. Nicht zuletzt deshalb, weil hier diverse Menschen mit diversen Hintergründen zusammenkommen und ihre Gegensätze überwinden müssen, um etwas Großes zu erschaffen.

Gadge erzählt verschiedene Geschichten. Jede seiner Figuren hat ihr Päckchen zu tragen, das sie nach und nach vor den Augen der Zusehenden aufschnüren. Dabei steigert der Drehbuchautor seine Handlung geschickt in immer absurdere Höhen. Doch nicht jede Pointe sitzt, nicht jede darstellerische Leistung ist auf demselben Niveau und zwischendurch hat die Handlung immer wieder ein wenig Leerlauf.

"Julia muss sterben" ist eine locker-leichte Sommerkomödie voll netter Running Gags, absurder Situationen und augenzwinkernder Zitate. Ein bisschen mehr Biss hätte allerdings gutgetan. Doch Gadge will mit diesem Film wohl in erster Linie versöhnen. Das ist ihm gelungen.

Fazit: "Julia muss sterben" ist Marco Gadges erster langer Spielfilm. Seine Sommerkomödie über einen Tag an einer Schauspielschule ist eine beschwingte Sommerkomödie. Streng konzipiert, aber locker und leicht inszeniert. Gadges Film zeigt die Schauspielschule als Mikrokosmos und, dass die Menschen trotz unterschiedlichster Herkünfte am Ende mehr vereint als sie trennt. Letzten Endes ist das jedoch etwas zu brav ausgefallen.




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