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Kritik: The Unholy (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Hauptdarsteller Jeffrey Dean Morgan war in den deutschen Kinos zuletzt 2018 in dem Sci-Fi-Blockbuster "Rampage" zu sehen. Seit Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit vor allem im Bereich der Serien, darunter in erster Linie "The Walking Dead", in der er seit fünf Jahren eine zentrale Rolle spielt. Zuvor war er unter anderem für viele Jahre in den TV-Produktionen "Supernatural" und "Grey’s Anatomy" zu sehen. "The Unholy" entstand im Frühjahr 2020 kurz vor dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie in Boston. Das Budget betrug rund zehn Millionen US-Dollar.

Mit Jeffrey Dean Morgan verfügt der von Sam Raimi produzierte Film über genau den richtigen Darsteller, der seiner abgehalfterten, abgestürzten Figur Ausdruck und Wahrhaftigkeit verleiht. Gerry ist ein ehemaliger Star-Reporter, der aufgrund früheren Fehlverhaltens seinen guten Ruf verlor und schließlich zum Alkoholiker wurde. Mit einer angeblichen Sensationsstory versucht er den alten Ruhm wiederzubeleben. An seiner Seite steht die couragiert aufspielende Cricket Brown in ihrer erst zweiten Filmrolle, die ihrer Alice fragile Anmut und betörendes Charisma verleiht.

Leider sind die meisten Nebenfiguren des Films unsauber und schwach ausgearbeitet, sodass diese wenig zur Dramaturgie und zum Inhalt beitragen können – man fühlt nicht mit ihnen und Empathie kommt auch nur selten auf. Darunter eine belehrende Ärztin, ein skeptischer Pastor und ein leicht zu beeindruckender Bischof, der – ob der Wunder und "Heilkräfte" der jungen Frau – schließlich sogar den Heiligen Stuhl in Rom konsultiert. Visuell und stilistisch hat der Film starke Momente, vor allem die stimmige, düstere Farbgebung sowie die metaphorische, religiös aufgeladene Symbolik gefallen. Letztere erzeugt ein konsequentes Gefühl der Beklemmung und Bedrohung. Die Trickeffekte und CGI-Sequenzen hingegen befinden sich auf unterdurchschnittlichem B-Movie-Niveau.

"The Unholy" kann sich darüber hinaus so manch abgenutzte Elemente und erwartbare Versatzstücke aus inhaltlich ähnlich gelagerten, übernatürlichen Horrorfilmen mit religiöser Thematik nicht verkneifen. Darunter die obligatorische Szene, in der die Marienstatue in der örtlichen Kirche Blut weint, düstere Erscheinungen der Jungfrau sowie unheilvolle Vorahnungen. Gelungen aber sind die Anspielungen auf Verschwörungstheorien, Scharlatanerie, blinde Gefolgschaft und den unreflektierten Glauben an eine (gottgegebene) Macht. Wenn die Menschenmassen der besessenen Alice Gefolgschaft leisten und ihr an den Lippen kleben, erinnert das an die Treue und Verehrung, die viele US-Amerikaner (bis heute) Lügnern und Blendern wie Donald Trump entgegenbringen.

Fazit: Inhaltlich und tricktechnisch wenig überraschender, etwas zu konstruierter Religions-Horror, dessen politische Botschaft und schauspielerische Leistungen jedoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen.




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