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Kritik: Death Of A Ladies' Man (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieses tragikomische Drama des kanadischen Regisseurs Matt Bissonnette ("Looking for Leonard") wird auf den Flügeln der Lieder Leonard Cohens getragen. Samuel, der Held der sehr unkonventionellen, charmant-ideenreichen Geschichte, ist ein großer Fan des kanadischen Singer-Songwriters. Wenn er seine Halluzinationen bekommt, erklingt eines der Lieder Cohens, in denen es um die Liebe, das Alleinsein, die Melancholie des In-die-Welt-Geworfenseins geht. Auch Samuel, der als Frauenheld, Poetik-Professor und Trinker mit 64 Jahren feststellt, ziemlich erschöpft und ausgelaugt zu sein, setzt sich mit seinem Leben, seinen Träumen und Illusionen auseinander. Denn er hat einen Hirntumor, der ihn bald ins Jenseits befördern wird.

Bissonnette, der Cohen verehrte und persönlich kannte, ließ sich von dem 2016 verstorbenen Künstler selbst die Erlaubnis geben, mehrere seiner Lieder in diesem Film zu verwenden. Auch der Filmtitel entstammt einem Album und Buch Cohens. Der Regisseur lässt seinen Filmhelden Samuel allmählich erkennen, dass er falschen Vorstellungen über das Leben und seine Bedürfnisse aufgesessen ist. Auf einmal sieht er, dass ihn der Status eines Frauenhelden einsam gemacht hat, dass er den Roman seiner Träume immer noch nicht geschrieben, im Leben seiner Kinder aus erster Ehe zu wenig anwesend war. Gabriel Byrne spielt hervorragend, wie Samuel taumelnd an seinem selbst erschaffenen Denkmal sägt. Er begegnet imaginären Gestalten. Vor allem die Gespräche mit seinem lakonischen, irischen Vater Ben sind sehr bewegend, geht es darin doch um die große, nie beantwortete Frage, warum die Familie auseinanderbrach. Witzigerweise fragte die Ärztin Samuel, ob er denn niemanden zum Reden habe, und nun wird dieser imaginäre und doch sehr lebendige Vater zu einer solchen Person, bei der er Halt sucht.

Die Straßenszenen aus dem winterlichen Montreal, die Schönheit der irischen Küste entfalten einen rauen Charme. Samuels Halluzinationen sorgen dafür, dass sich merkwürdige Wesen in die Realität schmuggeln, Frankenstein, feuerspeiende Gänse, eine Kellnerin mit Tigerkopf im Bikini. Bissonnette gelingt es, die an sich schweren Themen dieses Dramas mit solchen Ideen und fein dosierter Ironie leichter, aber nicht weniger wahr und wichtig erscheinen zu lassen.

Fazit: In diesem charmanten, ideenreichen Drama glänzt Gabriel Byrne in der Rolle eines alternden,von Schwermut geplagten Frauenhelden, der zu tief ins Glas schaut. Wie in den Liedern Leonard Cohens, die seine vielleicht seinem Hirntumor geschuldeten Halluzinationen begleiten, geht es auch ihm um die Sehnsüchte, Illusionen und das Scheitern im Leben. An den Schauplätzen Montreal und Irland nimmt eine tragikomische Geschichte ihren Lauf, die von Regisseur Matt Bissonnette mit leichter Hand und musikalisch beschwingt erzählt wird. Imaginäre und reale Charaktere scharen sich um den Poesie-Liebhaber, der mit dem Gespenst der Einsamkeit ringt und sich Abschied nehmend mit seinem Leben versöhnen will.




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