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1986 (2019)

Drama: Eine Studentin aus Weißrussland übernimmt die illegalen Geschäfte ihres Vaters, als dieser im Gefängnis landet.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.7 / 5

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Elena (Daria Mureeva) lebt und studiert in Minsk, der Hauptstadt von Belarus. Sie träumt von einer Karriere als Fotografin, hat damit bisher jedoch keinen Erfolg. Ihre Beziehung zu ihrem Freund Viktor (Evgeniy Sangadzhiev) droht immer wieder zu zerbrechen, da er ihr untreu ist. Elenas Vater (Vitali Kotovitsky) sitzt aufgrund seiner illegalen Tätigkeiten im Gefängnis. Die junge Frau fasst den Entschluss, dessen Business weiterzuführen, bis er wieder freigelassen wird. Hierfür muss sie per LKW Metall schmuggeln und dabei durch die gesperrte Zone von Tschernobyl fahren.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Nach mehreren Kurzfilmen legt der 1977 in Freiburg geborene und in Paris aufgewachsene Drehbuchautor und Regisseur Lothar Herzog mit "1986" seinen ersten Spielfilm vor. Der in Belarus angesiedelte Plot klingt nach einem Thriller, erzählt jedoch in erster Linie von einer allmählichen Emanzipation.

Im Mittelpunkt steht die Studentin Elena, die von der Leinwanddebütantin Daria Mureeva mit vielen feinen Nuancen verkörpert wird. Die Kamera beobachtet Elena in ihrer instabilen Beziehung zu ihrem Freund Viktor, zeigt sie beim Tanzen auf einer Hausparty oder beim gelangweilten Verfolgen der Vorlesung an der Uni. Schon im ersten Akt gelingen dem Film einnehmende Momente, etwa wenn Elena und Viktor nach dem Baden im See vor einem Regenschauer ins Auto flüchten. Wenn sich "1986" dann Elenas Entschluss, die Geschäfte ihres kriminellen und inhaftierten Vaters zu übernehmen, zuwendet, rechnet man unweigerlich mit einer genreüblichen Zuspitzung der Ereignisse.

Doch auch hier konzentrieren sich das Skript und die Inszenierung auf eine kluge, präzise Betrachtung, statt eine Eskalation zu forcieren. Die junge Elena muss sich plötzlich unter älteren, wesentlich routinierteren Männern behaupten. Durch subtile Hinweise wird deutlich, dass die Fahrten, die Elena fortan unternehmen muss, mit etlichen Gefahren und Konflikten verbunden sind. Die triste, neblige Landschaft, durch die sich die Protagonistin per LKW bewegt, wird ebenso gekonnt eingefangen wie die Stadt mit ihren Plattenbauten. Flashbacks in die Zeit vor der Verhaftung von Elenas Vater tragen dazu bei, die Backstory nach und nach zu erfassen. Während Elena gezwungenermaßen immer härter wird, beginnt sie, die zwischenmenschlichen Beziehungen in ihrem Leben klarer zu sehen – und die Notwendigkeit einer Befreiung zu erkennen.

Fazit: Ein sowohl dramaturgisch als auch visuell sehr starker Film, der ein gutes Gespür für sein Milieu zeigt und mit einer großartig gespielten Hauptfigur überzeugt.




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Land: Russland
Jahr: 2019
Genre: Drama
Länge: 77 Minuten
Kinostart: 09.09.2021
Regie: Lothar Herzog
Darsteller: Anna Anisenko, Ruslan Chernetskiy, Igor Denisov
Verleih: dejavu filmverleih

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