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Hunted - Waldsterben
Hunted - Waldsterben
© Pandastorm Pictures

Kritik: Hunted - Waldsterben (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Vincent Paronnaud ist nicht nur Filmemacher. Er begann sein Berufsleben als Comiczeichner. Unter dem Künstlernamen Winshluss veröffentlichte er unter anderem den mehrfach preisgekrönten Comic Pinocchio (2008), eine Modernisierung von Carlo Collodis Märchen, in der es rabenschwarz, respektlos und brutal zugeht. Einem internationalen Publikum bekannt wurde der 1970 geborene Franzose als Drehbuchautor und Co-Regisseur der Comicverfilmungen "Persepolis" (2007) und "Huhn mit Pflaumen" (2011), die er gemeinsam mit seiner Kollegin Marjane Satrapi, von der die Vorlagen stammen, in Angriff nahm.

Satrapi ist inzwischen mehr in der Film- als in der Comicbranche zu Hause und hat mit "La bande des Jotas" (2012), "The Voices" (2014) und zuletzt "Marie Curie – Elemente des Lebens" (2019) inzwischen drei Spielfilme als Solo-Regisseurin vorgelegt. Paronnaud zieht nun mit "Hunted – Waldsterben" nach. Sein erster eigenständiger Langfilm als Regisseur ist offiziell ein Thriller mit Horrorelementen. Wenn er seine Hauptdarstellerin Lucie Debay mit einer roten Kapuzenjacke in den Wald schickt, wird daraus aber schnell ein modernes Märchen – rabenschwarz, respektlos und ziemlich brutal.

Wer einen ausgeklügelten Psychothriller oder Gänsehauthorror erwartet, sitzt im falschen Film. Paronnaud und seine Co-Autorin Léa Pernollet erzählen ihre Geschichte geradeheraus und bis auf einen einzigen Kniff auch ohne überraschende Wendung zu Ende. Genau so geradeheraus setzt Paronnaud das Ganze in Szene. Hier gibt es keine Netze und doppelte Böden. Das Publikum bekommt das, was es sieht. Und mit nur 87 Minuten Laufzeit ist der Spuk auch schnell vorüber.

Ebenso einfach wie die Handlung ist auch der Subtext dieses Fims gestrickt. So wie jeder Liebesfilm davon erzählt, was passiert, wenn "boy" auf "girl" trifft, erzählt "Hunted – Waldsterben" davon, wie dieses uralte Strickmuster aussehen könnten, wenn der "boy" nicht ganz richtig in der Birne ist. Rotkäppchen trifft auf den bösen Wolf, nur ist der kein Tier, sondern ein Mann. Männer als Raubtiere, Natur versus Kultur, Wildnis versus Zivilisation, das Unbehauste versus Hausbau, Jäger und Gejagte, die selbst zu Jägern werden – mehr ist das nicht, aber eben auch nicht weniger. Und es ist ordentliche Unterhaltung für alle, die vor harter Kost mit fiesen kleinen Spitzen nicht zurückschrecken.

Fazit: Vincent Paronnauds erster eigenständiger Langfilm als Regisseur variiert das Rotkäppchen-Motiv und macht daraus ein modernes Märchen über den Kampf der Geschlechter. Geradeheraus erzählt und inszeniert bietet "Hunted – Waldsterben" kurze, rabenschwarze und brutale Unterhaltung.




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