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Last Night in Soho
Last Night in Soho
© Universal Pictures International

Kritik: Last Night in Soho (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der 1974 in der englischen Küstenstadt Poole geborene Drehbuchautor und Regisseur Edgar Wright demonstrierte mit der Blood-and-Ice-Cream-Trilogie (2004-2013), wie man Humor und Genre-Zutaten clever kombiniert. So war etwa seine Splatter-Comedy "Shaun of the Dead" weit mehr als nur eine Parodie auf Zombiefilme und auch deutlich mehr als eine weitere George-A.-Romero-Hommage, sondern vor allem eine herrlich makabre Gesellschaftssatire. In seiner neuen Arbeit "Last Night in Soho" legt der Filmemacher abermals sein besonderes Vergnügen an der Verquickung von Stimmungen und bekannten Versatzstücken an den Tag – und schafft es erneut, dem Ganzen eine zusätzliche, spannungsreiche Ebene zu verleihen.

Der Film beginnt als schwungvolle Coming-of-Age-Story und fängt die Begeisterung der Protagonistin Eloise für die Swinging Sixties auf einnehmende Weise ein. Wenn die junge Frau aus Cornwall daraufhin in London landet, zeigen sich alsbald die ersten Brüche in Eloises idealisierter Welt. "Last Night in Soho" wandelt sich wiederum in eine Fantasy- und schließlich in eine Mystery- und Horrorthriller-Geschichte. Die 1960er Jahre in London werden von Wright und dessen Kameramann Chung-hoon Chung ("Oldboy") in neonleuchtenden Bildern zum Leben erweckt – doch die Nostalgie, die zunächst entstehen könnte, wird rasch von Abgründigkeit zerstört. Die audiovisuelle Gestaltung ist durchweg virtuos, der Plot um psychische und physische Gewalterfahrungen und deren Konsequenzen gerät dabei allerdings nicht in Vergessenheit und hat einige überraschende Wendungen zu bieten.

Darüber hinaus verfügt "Last Night in Soho" über zwei großartige Hauptdarstellerinnen. Sowohl Thomasin McKenzie ("Leave No Trace", "Jojo Rabbit") als auch Anya Taylor-Joy ("The Witch", "Das Damengambit") haben in ihrer bisherigen Filmkarriere schon ihre Vielseitigkeit bewiesen. Auch hier verkörpern sie ihre Rollen mit zahlreichen Nuancen, von Übermut über Verstörung bis hin zu beachtlicher Courage. Mit Matt Smith ("Doctor Who"), Diana Rigg ("Mit Schirm, Charme und Melone") und Terence Stamp ("Teorema") wartet das Werk mit einem tollen Cast aus britischen Charakterköpfen auf.

Fazit: Ein wuchtiger, bildstarker Ritt durch dunkelbunte Genre-Welten, der die Experimentierfreude von Edgar Wright und das Talent von Thomasin McKenzie und Anya Taylor-Joy eindrücklich unterstreicht.




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