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Die Welt wird eine andere sein
Die Welt wird eine andere sein
© Neue Visionen

Kritik: Die Welt wird eine andere sein (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit dem Drama "24 Wochen" (2016) über ein Paar, das erfährt, dass sein ungeborenes Kind mit dem Down-Syndrom sowie einem schweren Herzfehler zur Welt kommen würde, und deshalb entscheiden muss, ob es eine Spätabtreibung vornehmen lassen soll, hat die 1982 geborene Drehbuchautorin und Regisseurin Anne Zohra Berrached bereits einen tiefen Eindruck in der deutschen Kinolandschaft hinterlassen. Dies setzt sie nun gekonnt mit ihrem neuen Werk "Die Welt wird eine andere sein" fort.

Der Film schildert den Verlauf einer fünfjährigen Beziehung und gliedert sich in fünf Kapitel auf – vom ersten bis zum fünften Jahr. Wir nehmen dabei die Perspektive der Protagonistin Asli ein. Die Deutsch-Türkin steht in Konflikt mit ihrer verwitweten Mutter, die ihr bis heute Vorwürfe macht, sich für ein Studium entschieden zu haben, statt rasch eine Familie zu gründen. Es wird nachvollziehbar, weshalb sie die Beziehung zu dem aus dem Libanon stammenden Saeed (und später auch die Ehe mit ihm) geheim hält. Ebenso wird die Anziehung zwischen Asli und Saeed glaubhaft umgesetzt. Wenn Saeed Asli zu erklären versucht, weshalb er Pilot werden möchte, fangen die beiden tatsächlich an zu schweben – ein romantischer Augenblick, der rückblickend eine überaus bittere Note erhält.

Die allmähliche religiöse und politische Radikalisierung von Saeed wird von Berrached und ihrer Co-Autorin Stefanie Misrahi subtil erzählt. Immer wieder schleichen sich Momente des Zweifelns ein; die Vertrauensbrüche häufen sich. Eine Diskussion im Freundeskreis kippt plötzlich ins Politische, wodurch Asli zunehmend von ihrem Umfeld isoliert wird, da sie ihrem Ehemann trotz Irritationen zur Seite steht. Canan Kir und Roger Azar liefern in den Hauptrollen großartige Leistungen, die an Kraft und Intensität ihresgleichen suchen. Hinzu kommen viele originelle Bildideen, die "Die Welt wird eine andere sein" zu einem besonderen Kinoerlebnis machen.

Fazit: Eine wuchtige, feinfühlige Beziehungschronik mit einem hervorragenden Schauspiel-Duo. Klug geschrieben und eindrücklich in Szene gesetzt.




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