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Kritik: No Sudden Move (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "No Sudden Move" hat sich der Regisseur Steven Soderbergh abermals dem Crime-Genre zugewandt. Sein neuestes Ganovenstück ist im Tonfall deutlich weniger unbeschwert als die hochglänzende "Ocean's"-Reihe (2001-2007) oder die Heist-Komödie "Logan Lucky" (2017), dennoch blitzt immer wieder eine gehörige Portion an schwarzem Humor auf. Auch andere Stärken, die man von Soderbergh kennt, kommen hier zum Tragen. Die Kameraführung, für die er (ebenso wie für die Montage) unter Pseudonym erneut selbst verantwortlich zeichnet, überzeugt mit originellen Einstellungen; die Ausstattung lässt viel Liebe zum Detail erkennen. Das Fifties-Setting erinnert an diverse Noir-Klassiker, auch dank des atmosphärischen Scores von David Holmes, mit dem Soderbergh schon häufig zusammengearbeitet hat.

Das Drehbuch von Ed Solomon erzählt eine Geschichte, die zunehmend an Komplexität gewinnt. Was als vermeintlich überschaubare Gangster-Story beginnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen und wendungsreichen Plot, in dem auch gesellschaftskritische Züge ihren Platz finden. Bei allen Verstrickungen und Twists bleibt der Film stets unterhaltsam und lebt nicht zuletzt von der Spielfreude seines namhaften Ensembles.

Don Cheadle und Benicio Del Toro bilden ein spannendes und zweilen amüsantes Gegensatz-Duo, das von schillernden Figuren flankiert wird. Neben Ray Liotta und Brendan Fraser, die ihre Bad-Guy-Rollen mit angenehmer Spleenigkeit verkörpern, ist insbesondere Amy Seimetz ("Upstream Color") hervorzuheben, die ihrem Part als von Gangstern bedrohte Ehefrau und Mutter Energie verleiht und Klischees geschickt vermeidet.

Fazit: Ein äußerst stimmungsvoller Gangsterfilm in schicker Optik mit etlichen Wendungen und gut aufgelegten Stars. Soderbergh ist noch immer in Form!




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