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Jazz an einem Sommerabend
Jazz an einem Sommerabend
© Rapid Eye Movies

Kritik: Jazz an einem Sommerabend (1959)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der New Yorker Fotograf Bert Stern, der unter anderem für die Hochglanzmagazine Vogue und Look tätig war, hielt im Juli 1958 das viertägige Newport Jazz Festival in Rhode Island fest und schuf aus den Aufnahmen den überaus einnehmenden Dokumentarfilm "Jazz an einem Sommerabend". Dieser erhielt nun eine 4K-Restaurierung und kann erneut auf der Kinoleinwand erlebt werden.

Zum einen ist dies natürlich ein Fest für alle Jazz-Fans. Es gibt hinreißende Auftritte von Musik-Ikonen wie Anita O'Day, Dinah Washington, Louis Armstrong und Chuck Berry. Der Ton wurde damals live und ungefiltert aufgenommen, wodurch die gesanglichen und instrumentalen Leistungen eine unverfälschte Qualität haben. Zum anderen ist "Jazz an einem Sommerabend" aber noch weitaus mehr als ein Konzertmitschnitt voller Stars und Hits. Denn es gelingt dem Film auch, die Atmosphäre vor Ort perfekt zu erfassen. Wunderbar sind etwa die Bilder des Publikums: mal abgelenkt, mal hoch konzentriert, mal tief versunken und mal fröhlich mitwippend, nickend, tanzend und lachend. Immer wieder kommt es zur Interaktion zwischen den Menschen auf der Bühne und in den Rängen.

Stern porträtiert zudem sehr treffend den sommerlichen Ort, an dem das Festival und zeitgleich auch die Segelregatta America's Cup stattfinden. So erfasst die Kamera etwa ausgelassen spielende Kinder oder eine Clique von abenteuerlustigen Jugendlichen in einem Haus. "Jazz an einem Sommerabend" kann ohne Weiteres in einem Atemzug mit dem Konzertfilmklassiker "Woodstock" (1970) genannt werden. Beide Werke schaffen es, die Magie der Musik einzufangen und uns einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Menschen, die live dabei waren, sich gefühlt haben müssen.

Fazit: Ein zauberhafter Musikfilm, der großartige Bühnenperformances mit originellen Stimmungsbildern verknüpft und uns die befreiende Kraft des Jazz spüren lässt.




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