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Wem gehört mein Dorf?
Wem gehört mein Dorf?
© JIP Film und Verleih

Kritik: Wem gehört mein Dorf? (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem Dokumentarfilm "Wem gehört mein Dorf?" befasst sich der Autor und Regisseur Christoph Eder mit den Veränderungen in seiner Heimat – dem Ostseebad Göhren auf Rügen. Er kombiniert Home-Videos aus seiner Kindheit und Jugend mit aktuellen Aufnahmen, um vom lokalpolitisch bedingten Wandel in der Gegend zu erzählen. So gelingt Eder zum einen ein sehr persönliches Ortsporträt und zum anderen eine spannungsreiche Einsicht in die Politik eines beliebten deutschen Ferienziels.

Da Eder selbst ein Einheimischer und somit für die gefilmten Leute kein Fremder ist, kommt er mit seinem Kameramann Domenik Schuster dem Geschehen sehr nah. Er ist bei hitzigen Diskussionen in der Gemeinderatsitzung ebenso dabei wie bei Gesprächen in der Kneipe und bei Vorbereitungstreffen der Gruppe "Bürger für Göhren". Hinzu kommen Interviews mit engagierten Personen, etwa mit dem Naturschützer Bernd Elgeti und dessen Tochter Nadine Förster, aber auch mit der Gegenseite, die die Vorhaben des Investors Wilfried Horst befürwortet. Obendrein fängt die Kamera die landschaftlichen Besonderheiten Göhrens ein, zeigt die Schönheit der Seebrücke und des Badestrands und filmt etwa die Blaskapelle in der Natur, die sich mit ihrem Spiel für die Erhaltung des Außenbereiches einsetzt.

Reizvoll ist der Blick in die Vergangenheit, wenn Eder beispielsweise schildert, wie er als Teenager das Verschwinden eines Waldes erlebt hat: Die Bäume am Nordhang wurden im Auftrag von Wilfried Horst gerodet, wodurch dessen Hotel einen perfekten Meerblick erhielt. Auch die Bilder von Kids auf Skateboards, die sich ihren Platz erkämpfen, hinterlässt Eindruck.

Fazit: Ein erhellender Dokumentarfilm, der nah an seinem Sujet ist und einen interessanten Blick auf ostdeutsche Lokalpolitik wirft.




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