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Kritik: Borga (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Spielfilm des deutschen Regisseurs York-Fabian Raabe erzählt die Geschichte eines afrikanischen Migranten, der in Deutschland Fuß zu fassen versucht. Aber als Illegaler hat Kojo wenig Chancen, der Borga oder reiche Onkel zu werden, der seine Verwandten zuhause beschenkt und von ihnen bewundert wird. Eugene Boateng überzeugt in der Rolle des jungen Mannes, der sich als Drogenkurier verdingt und für kurze Zeit glaubt, es geschafft zu haben, als er sich plötzlich schicke Anzüge leisten kann. Aus der Perspektive des Afrikaners erzählt, schildert das Drama dessen Zerrissenheit zwischen dem Land der Träume, das ihn nicht haben will, und der Familie in Ghana, der sein neuer Status Probleme bereitet.

Ein wenig erinnert "Borga" an den ebenfalls 2021 in die Kinos gekommenen "Le Prince" von Lisa Bierwirth. Auch in jener Geschichte definierte sich ein afrikanischer Migrant in Deutschland als Geschäftsmann mit großen Plänen. Hier aber wird näher erklärt, wie dieser Traum, es mit Geschäften zu Reichtum zu bringen, sowohl mit den mitgebrachten Werten zusammenhängt, als auch mit der Vorstellung, in Europa die gleichen Chancen wie Einheimische zu haben. Indem die Geschichte in seiner Kindheit beginnt, zeigt sie, dass Kojo trotz schulischer Bildung nicht von der giftigen Arbeit auf dem Schrottplatz loskommt. Ein reicher Borga sagt dem Jungen einmal, um wie er zu werden, müsse er nur lernen, welche Regeln zu befolgen seien und welche nicht.

Anders als in "Le Prince" steht auch nicht die Beziehung zur deutschen Freundin im Vordergrund. Vielmehr geht es lange um Kojos Bemühen, sich in Mannheim Dinge zu leisten, die für Ansehen und ein gutes Leben stehen. Man kann sich hervorragend in Kojo hineinversetzen und sich mit ihm freuen, wenn er zum ersten Mal einen schicken Anzug trägt und seinen Anspruch, wer er sein möchte, demonstriert. Aber Deutschland entzieht sich dem Neuankömmling auf diffuse Weise, als wäre er gar nicht da.

Indem Kojo wiederholt nach Ghana reist, zeigt der Film auch die afrikanische Seite seines Dramas. Die Verwandten wollen Geld, aber das Umfeld macht ihnen das Leben schwer, seit alle wissen, dass Kojo ein Borga ist. Mehr als die persönliche Lösung, die Kojo für sein Dilemma findet, beeindruckt die Wucht, mit der sich das Machtgefälle zwischen Europa und dem Armenviertel in Accra offenbart. Was Europa dort ablädt, ist der Müll eines Wohlstands, den es nicht teilen will.

Fazit: Das von York-Fabian Raabe inszenierte Drama über einen afrikanischen Migranten, der in Mannheim Fuß fassen will, wird aus dessen Perspektive erzählt. Eugene Boateng beeindruckt mit seinem differenzierten Spiel des Mannes, der im schicken Anzug seine armen Angehörigen in Ghana besucht. Sein Geld gaukelt ihm jedoch nur vor, in Deutschland angekommen zu sein und belastet das Verhältnis zu seinem Bruder. Der Weg des Helden, der nach seinen Träumen greift und isoliert in einer Realität erwacht, die vom Wohlstands- und Machtgefälle zwischen Europa und Afrika bestimmt bleibt, wühlt auf.





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