oder
Die perfekte Ehefrau
Die perfekte Ehefrau
© One Filmverleih

Kritik: Die perfekte Ehefrau (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Martin Provost bleibt sich treu. Der 1957 geborene Franzose, der seine Karriere als Schauspieler begann und dann zur Regie und zum Drehbuchschreiben wechselte, erzählt auch in seinem neuen Film von starken Frauen. Diesmal ist es ein ganzer Haufen, denn Provosts beschwingte Komödie spielt in einer Hauswirtschaftsschule für angehende Ehefrauen. Im Jahr 1968 angesiedelt, kann das nicht lange gut gehen.

Seine stärksten Leistungen legte Provost bislang im dramatischen Fach vor: in den Biopics "Séraphine" (2008) über die Malerin Séraphine de Senlis und "Violette" (2013) über die Schriftstellerin Violette Leduc sowie im Drama "Où va la nuit" (2011) über eine Frau, die ihren gewalttätigen Ehemann ermordet. Mit "Die perfekte Ehefrau" kehrt Provost nun zu seinen komödiantischen Wurzeln zurück, die bereits sein Debüt "Tortilla y cinema" (1997) und seine Tragikomödien "Juliette und ihr Bauch" (2003) und "Ein Kuss von Béatrice" (2017) durchzogen. Wie schon in letztgenanntem und Provosts bislang letztem Film sind es auch dieses Mal die Schauspielleistungen, die die ein wenig zu löchrig geschriebene Story zusammenhalten.

In der Hauptrolle weiß Juliette Binoche wie eigentlich immer zu gefallen, und auch Noémie Lvovsky überzeugt als überstrenge Nonne Marie-Thérèse in einer Nebenrolle ebenso wie einige der Nachwuchsdarstellerinnen, die in die Rollen der Hauswirtschaftsschülerinnen schlüpfen. Insgesamt kommen die Figuren der Schülerinnen aber ebenso zu kurz wie Yolande Moreau als Schwägerin der Chefin. Wie sich Martin Provost generell nicht recht entscheiden kann, was sein Film sein soll und wovon er im gemeinsam mit Séverine Werba verfassten Skript erzählen möchte.

Die Handlung wechselt etwas unschlüssig zwischen den erwachsenen Erzieherinnen und den heranwachsenden Schülerinnen hin und her und verliert die Figuren dabei wiederholt aus dem Blick. Um diesem Dilemma Herr zu werden, wechselt der Film mehrfach die Tonlage und die Gangart. Was als wortwitzige Satire auf eine vergangene Epoche und ihre überkommenen Rollenbilder beginnt und zwischendurch zu einer ironisch überzeichneten Liebesgeschichte wird, löst sich in einem fröhlichen Musical auf. Das Ende wirkt ein wenig, als hätte Martin Provost nicht gewusst, wie er sich anders hätte aus der Affäre ziehen können. Zumindest aber ist es unerwartet und erfrischend anders.

Fazit: Martin Provosts neuer Film sieht farbenprächtig aus und ist gut gespielt. Was satirisch und wortwitzig loslegt, wechselt dann aber schnell und mehrfach die Richtung, Tonlage und Gangart. Insgesamt ist das zwar beschwingt, unerwartet und erfrischend anders, aber letzten Endes nicht ganz rund.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.