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FBW-Bewertung: Ivie Wie Ivie (2021)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Das Spielfilmdebüt von Sarah Blaßkiewitz dürfte zweifellos eines der gelungensten und pointiertesten Beiträge des deutschen Erzählkinos sein über so wichtige aktuelle Debatten wie zur Diversität, zu strukturellem Rassismus und Fragen von Identität. Über die Figur der Ivie gelingt es dem Film auf sehr elegante Art und Weise, uns in die Perspektive einer Person zu versetzen, die trotz privilegierter Lebenshintergründe von ihrer Umwelt aufgrund ihres Äußeren regelmäßig mit Rassismen und Stereotypen konfrontiert wird ? von den Absendern teils nicht einmal intendiert. Der, wie es auch im Film heißt, ?positive Rassismus? oder auch die schlichte Reduzierung eines Menschen auf eine einzige Eigenschaft muss Ivie und müssen mit ihr auch die Zuschauer*innen immer wieder erleben. Dass diese Identifikation und damit auch der Film so wunderbar funktionieren, hat zahlreiche Gründe. So etwa bekommen die Figuren den nötigen Raum, um sich nachvollziehbar zu entwickeln ? nicht zuletzt auch dank einer nie in Hektik verfallenden Montage. Nebenfiguren, die für Humor sorgen, werden niemals zu Karikaturen. Bis in diese kleinen Rollen hinein ist der Film sehr stark besetzt und schafft im Zusammenspiel mit Inszenierung und Bildgestaltung emotional enorm kraftvolle Momente ? die Szene zwischen der begeisternden Hauptdarstellerin Haley Louise Jones und Dela Dabulamanzi im Friseursalon soll hier als Beispiel dienen, ebenso die Momente zwischen den beiden Müttern und Töchtern. IVIE WIE IVIEstrahlt insgesamt ein hohes Maß an Ehrlichkeit und Authentizität aus ? eine Stärke von Buch und Inszenierung, die dem Film Relevanz und Unterhaltsamkeit gleichermaßen verleihen. Möge ein möglichst großes Publikum Ivies Einladung annehmen, in ihre Perspektive einzutauchen.



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