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The Corrupted - Ein blutiges Erbe
The Corrupted - Ein blutiges Erbe
© Meteor Film

Kritik: The Corrupted - Ein blutiges Erbe (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Auf dem Papier liest sich "The Corrupted" wie ein spannender Politthriller. Auch der Rest klingt vielversprechend. Das Ensemble versammelt zwar nicht die allererste Riege britischer Schauspieler, aber beeindruckende Mimen wie Sam Claflin, Timothy Spall oder Hugh Bonneville, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Autor Nick Moorcroft wiederum wusste mit Drehbüchern zu Komödien wie "Burke & Hare" (2010), "Tanz ins Leben" (2017) oder "Fisherman's Friends" (2019) zu überzeugen. Ganz anders als im letztgenannten Film über einen Shantychor trifft Moorcroft diesmal aber zu selten den richtigen Ton.

Der 1978 geborene Engländer kann sich nicht recht entscheiden, ob er einen Politkrimi, ein Sozial- und Familiendrama oder einen Gangsterfilm erzählen will. Am Ende beinhaltet sein Skript von allem ein bisschen und nichts richtig, worunter in erster Linie die Figuren leiden. Sam Claflins Ex-Häftling Liam McDonagh besitzt noch am meisten Tiefe, danach wird es dünn. Was etwa den Polizisten Neil Beckett (Noel Clarke) oder den Immobilienmogul Clifford Cullen (Timothy Spall) antreibt, bleibt vage. Vor allem Letztgenannter verkommt dadurch zu einem Abziehbild eines brutalen Verbrechers. Dabei hätte gerade diese Figur so viel mehr hergegeben.

Moorcrofts Drehbuch leidet primär an der Überfülle an Figuren und Handlungssträngen. Bei all den Verstrickungen kommen die zwischenmenschlichen Beziehungen zu kurz. Anstatt aufzuzeigen, wer mit wem und weshalb verstrickt ist, nutzt das Skript lieber den Überraschungseffekt, wodurch jedoch die Intensität auf der Strecke bleibt.

Der Regisseur Ron Scalpello setzt das Ganze solide um und sehenswert in Szene. Immer wieder rückt er Englands Hauptstadt in beeindruckenden Nachtaufnahmen ins Bild und setzt kleine brutale Spitzen. Die fehlende Tiefe kann aber auch seine Regie nicht verbergen. Letzten Endes spult Scalpello diese Geschichte über eine verkommene Welt, in der korrupte Kräfte durch noch korruptere Kräfte ersetzt werden, allzu formelhaft ab.

Fazit: Dieser von Nick Moorcroft geschriebene und von Ron Scalpello inszenierte Thriller ist solide gemacht und sieht mitunter atemberaubend aus. Der Film kann sich aber nicht für ein Genre entscheiden. Darunter leiden in erster Linie die Figuren, und letzten Endes bleibt die Handlung zu formelhaft.




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