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Why are we (not) creative
Why are we (not) creative
© Rise and Shine Films GmbH

Kritik: Why are we (not) creative (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach seinem Erfolg mit der dokumentarischen Suche "Why are we creative" (2018) begibt sich der 1956 geborene deutsche Regisseur, Autor und Produzent Hermann Vaske in der Fortsetzung "Why are we (not) creative" abermals auf Reisen, um dem Phänomen der Kreativität nachzuspüren. Das Werk ist der Mittelteil einer geplanten Trilogie zum Thema. Als Schwerpunkt dienen diesmal die sogenannten "Ideenkiller", die "Betablocker der Kreativität".

Bei der Beantwortung der Kernfrage, was uns davon abhält, kreativ tätig zu sein, kommt Vaske auch zu dem Schluss, dass diese Bedrohungen – beispielsweise politische Unterdrückung – zuweilen dazu führen können, den kreativen Prozess noch anzutreiben. Zorn kann als Antrieb des kreativen Motors dienen. So widmet sich "Why are we (not) creative" etwa intensiv dem Aktivismus – unter anderem in Russland, China und den USA. Es geht um Wege, der staatlichen Zensur zu entgehen, oder um Methoden, Widerstand künstlerisch umzusetzen. Dabei trifft Vaske zum Beispiel die Black-Lives-Matter-Aktivistin Kanika Feaster-Gordon in Baltimore, die ihre tiefe Empörung in einem Song verarbeitet hat, und den Hongkonger Demokratie-Aktivisten Joshua Wong.

Als Vaskes Sidekick fungiert der seit den 1980er Jahren aktive US-Schauspieler Michael Madsen, bekannt aus Hollywood-Hits wie "Thelma & Louise" (1991), "Reservoir Dogs" (1992) und "The Hateful 8" (2015). Zahlreiche weitere eindrucksvolle Persönlichkeiten kommen im Laufe des Films zu Wort. So etwa die russische Pussy-Riot-Aktivistin Marija Aljochina, die iranische Künstlerin Shirin Neshat, der deutsche Regisseur Andreas Dresen, der US-amerikanische Schriftsteller George R.R. Martin ("Game of Thrones") sowie die Kino-Stars Udo Kier, Trine Dyrholm, Isabella Rossellini und Sean Penn. Auch die Bereiche Musik, Philosophie, Wissenschaft und Religion werden abgedeckt. So entsteht ein sehr facettenreiches, vielstimmiges Bild. Darüber hinaus lebt "Why are we (not) creative" von den originellen Animationen von Valérie Pirson und dem gelungenen Score von Teho Teardo.

Fazit: Eine einfallsreich umgesetzte filmische Reise zu einem spannenden Thema mit tollen Interview-Partner*innen.




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