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Kritik: Reset (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Bei Dokumentarfilmen über Extremsportarten ist Vorsicht geboten. Viele der Wettkämpfe, mit denen die Sportler ihr Geld verdienen, wären ohne Sponsoren nicht möglich. Und viele der Kinofilme über diese Sportler sind von denselben Sponsoren finanziert oder gar gleich von deren eigenständigen Filmproduktionsfirmen umgesetzt. Dementsprechend gleichen die Ergebnisse oft mehr einem Imagefilm denn einem Dokumentarfilm. Im schlimmsten Fall verkommen sie zu reinen Werbeveranstaltungen. Das Gute vorweg: Obwohl Thierry Donards Dokumentarfilm einen in der Sportwelt bekannten Schweizer Uhrenhersteller zu seinen Produzenten zählt, ist sein Film werbefrei.

Der 1961 geborene Franzose und seine Produktionsfirma haben sich auf Filme spezialisiert, die Sportler unter extremen Bedingungen in der freien Natur zeigen. Visuell erinnert das auch bei Donard oft an Imagefilme und Werbespots, liefert aber außergewöhnliche Ansichten, die ihre volle Wucht erst auf der großen Leinwand entfalten. Für "Reset" haben Donard und seine Crew zwei Jahre lang an atemberaubend schönen Orten gedreht. Mitten hinein fiel die Corona-Pandemie, was ihrem Film einen neuen inhaltlichen Dreh gegeben hat. Angesichts der globalen Krise denken einige der im Film gezeigten und interviewten Sportler über die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten und über private Neuanfänge nach.

Diese Gedanken wirken ein wenig wie ein Feigenblatt. Bei den Surfern in Französisch-Polynesien, die ihrem Sport direkt vor der Haustür nachgehen, mag das ja noch zutreffen. Auch ist es löblich, dass die im Film gezeigten Skifahrer sich nicht mit dem Helikopter absetzen lassen, sondern die Bergspitzen, von denen sie abfahren, selbst besteigen. Bereits bei der Frage, wie groß ihr CO2-Fußabdruck ist, um überhaupt in all die Gegenden rund um den Globus zu gelangen, an denen sie ihrem Sport nachgehen, wird es jedoch schwammig. Und auch die Lebensgefahr, in die sich die Sportler permanent begeben, wird nur stiefmütterlich thematisiert. Letztlich fällt beides nicht ins Gewicht.

Denn "Reset" punktet nicht mit einem vermeintlich bedeutenden Inhalt, sondern mit spektakulären Bildern. Von einem Off-Kommentar des französischen Schauspielstars Vincent Cassel eingerahmt und von den treibenden Elektro-Beats des niederländischen DJ Joris Voorn untermalt, bietet "Reset" ungewöhnliche Einstellungen, sagenhafte Kameraflüge und atemberaubende Ansichten. In seinen besten Momenten, wenn lange Passagen völlig ohne Gespräche auskommen, gewinnt dieser Film eine meditative Qualität.

Fazit: Thierry Donards "Reset" ist ein Dokumentarfilm, der voll und ganz über seine spektakulären Bilder funktioniert. Die Gespräche mit den Sportlern wirken wie ein inhaltliches Feigenblatt. Am Ende sind die atemberaubenden Ansichten ausschlaggebend, die in langen Passagen eine meditative Qualität entfalten.




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