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Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist
Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist
© Peripher

Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist (2021)

Deutscher Dokumentarfilm über eine Berliner Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Adolf Beutler fertigt akribisch ausgearbeitete Bleistiftzeichnungen an, die häufig über den Rahmen des Bildes hinausgehen, Till Kalischer tuscht Bilder von Städten, die er sich in Gedanken ausmalt. Gabriele Beer packt die Themen Leben und Tod in poppige Farben und Suzy van Zehlendorf malt am liebsten Hähne. In ihren Gemälden, die berühmte Werke der Kunstgeschichte aufs Korn nehmen, tauchen die imposanten Vögel anstelle von Menschen auf.

Alle vier arbeiten in der Kunstwerkstatt Mosaik in Berlin-Spandau, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Doch was unterscheidet sie und ihre Kunst eigentlich von Künstlern ohne Behinderung und von deren Kunstwerken? Die Filmemacherin Sabine Herpich ist der Frage nachgegangen und hat den Alltag in der Kunstwerkstatt mit der Kamera festgehalten.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Sabine Herpich hat sich in ihren Filmen bereits mehrfach mit Kunst und den Menschen dahinter auseinandergesetzt. In ihrem neuen Film mit dem tollen Titel "Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist" entführt sie ihr Publikum in eine Welt, die den meisten verschlossen bleibt: in eine Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung. Warum sich die Welten der Menschen mit und ohne Behinderung so selten berühren, liegt für Herpich auf der Hand: "unser ausdifferenziertes Gesellschaftssystem verhindert diese Kontakte mehr, als dass es sie fördert, obgleich die Wörter ‚Diversität‘ und ‚Inklusion‘ dauerpräsent sind."

Herpichs Film stellt den Kontakt her – zunächst einmal durch Herpichs bloße Anwesenheit. Die von der Regisseurin selbst geführte Kamera blickt den Künstler:innen stumm über die Schulter. Lange Einstellungen machen ihren Arbeitsprozess sichtbar. Vor den Augen des Publikums entsteht nach und nach Kunst. Ebenso sukzessive setzt sich das Bild der Kunstwerkstatt, ihres Personals und der alltäglichen Arbeitsabläufe zusammen. Herpich schickt keine Erklärungen voraus und kommentiert nicht aus dem Off. Sie überlässt es ihrem Publikum, die Zusammenhänge herzustellen.

Zu diesen Zusammenhängen gehört auch der finanzielle Druck, der auf der Kunstwerkstatt lastet. Denn wie andere Werkstätten für Menschen mit Behinderung ist auch die im Film vorgestellte Kunstwerkstatt Mosaik in Berlin-Spandau darauf angewiesen, mit ihren Erzeugnissen Geld zu verdienen. Was in diesem Film gezeigt wird, ist harte Arbeit und keine Beschäftigungstherapie oder Ähnliches, wie man im ersten Moment vielleicht meinen könnte.

Je länger der Film dauert, desto stärker drängt sich eine Frage in den Vordergrund, die auch Sabine Herpich beschäftigt: Wieso wird in der Kunstwelt eigentlich zwischen Bildern von Menschen mit und ohne Behinderung unterschieden? Die im Film gezeigten Bilder sind allesamt Kunst, mitunter sogar große. Nach Herpichs Film wird man die Kunstwelt definitiv mit anderen Augen sehen.

Fazit: Sabine Herpichs Dokumentarfilm gewährt einen Einblick in eine Welt, die vielen verschlossen bleibt. Sie zeigt den Arbeitsalltag in einer Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung. Deren Kunstwerke müssen sich vor der Konkurrenz bekannter Künstler:innen ohne Behinderung nicht verstecken. Ruhig gefilmt und selbsterklärend montiert, schafft Herpichs Film ein Stück Inklusion, von der andere immer (nur) reden.




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Land: Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 106 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 12.08.2021
Regie: Sabine Herpich
Darsteller: Gabriele Beer, Adolf Beutler, Till Kalischer
Verleih: Peripher

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