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Die rote Kapelle (2021)

Dokumentarfilm: Hinter dem Begriff "Rote Kapelle" stehen Gruppen und Einzelpersonen, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges begann ein lose verbundenes, etwa 400 Menschen umfassendes Netzwerk, illegale Flugblätter zu verteilen, jüdischen Personen sowie Oppositionellen zur Flucht zu verhelfen und die Verbrechen des NS-Regimes zu dokumentieren. In Deutschland zählte Harro Schulze-Boysen zu den Schlüsselfiguren des Widerstandes. Als Offizier im Luftfahrt-Ministerium hatte er Zugang zu Hitlers Aufmarschplänen für den Angriff auf die Sowjetunion und für den Vorstoß nach Stalingrad. Bei der Weiterleitung der Informationen an die Alliierten halfen ihm nachrichtendienstliche Gruppen in Paris und Brüssel, die der jüdische Kommunist Leopold Trepper aufgebaut hatte.

In späteren Jahren, während des Kalten Krieges, wurde das historische Andenken an die "Rote Kapelle" jedoch sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der DDR verfälscht.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Für sein dokumentarisches Werk "Die rote Kapelle – Das verdrängte Widerstandsnetz" wählt der Drehbuchautor und Regisseur Carl-Ludwig Rettinger einen sehr interessanten Ansatz. Neben üblichen Mitteln des Dokumentarfilms, etwa Fotografien, Archivmaterial und Aussagen von Nachkommen der porträtierten Personen, nutzt Rettinger Ausschnitte aus zwei fiktionalisierten Arbeiten, die unabhängig voneinander Anfang der 1970er Jahre entstanden und auf sehr unterschiedliche Weise von dem titelgebenden Widerstandsnetz erzählen: zum einen die sieben Episoden umfassende ARD-Miniserie "Die rote Kapelle" von Franz Peter Wirth, zum anderen die aufwendige DEFA-Kinoproduktion "KLK an PTX – Die Rote Kapelle" von Horst E. Brandt.

Rettinger zeigt, dass fiktionalisierte Bearbeitungen zwar durchaus dabei helfen können, historische Ereignisse zu schildern und zu veranschaulichen – dass sie aber auch ein verfälschtes Bild liefern können, das sich fortan im kollektiven Gedächtnis festsetzt. Da die beiden genannten Werke jeweils nur einen eingeschränkten Blick auf die Aktivitäten des circa 400 Mitglieder umfassenden Netzwerks ermöglichen, lässt Rettinger die fiktionalisierten Stoffe klug ineinander montieren und weist zudem durch aktuelle Erkenntnisse auf Fehler in der Darstellung hin.

Ergänzt um Aussagen von Nachfahren und Expert:innen, die sich teilweise an die Schauplätze der damaligen Geschehnisse begeben, gelingt es Rettinger, geschichtliche Verzerrungen zu hinterfragen und der Entstehung, Entwicklung sowie den Motiven der "Roten Kapelle" nachzuspüren. Dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg wird damit ein wichtiges Denkmal gesetzt.

Fazit: Ein gut recherchierter Dokumentarfilm, der einen erhellenden Einblick in ein Widerstandsnetz gewährt und zugleich deutlich macht, wie mediale Darstellungen unser historisches Verständnis verzerren können.




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Land: Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 87 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 26.08.2021
Regie: Carl-Ludwig Rettinger
Darsteller: Yehudit Kafri, Lital Levin, Rebecca Donner
Verleih: farbfilm verleih

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