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Die rote Kapelle
Die rote Kapelle
© farbfilm verleih

Kritik: Die rote Kapelle (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für sein dokumentarisches Werk "Die rote Kapelle – Das verdrängte Widerstandsnetz" wählt der Drehbuchautor und Regisseur Carl-Ludwig Rettinger einen sehr interessanten Ansatz. Neben üblichen Mitteln des Dokumentarfilms, etwa Fotografien, Archivmaterial und Aussagen von Nachkommen der porträtierten Personen, nutzt Rettinger Ausschnitte aus zwei fiktionalisierten Arbeiten, die unabhängig voneinander Anfang der 1970er Jahre entstanden und auf sehr unterschiedliche Weise von dem titelgebenden Widerstandsnetz erzählen: zum einen die sieben Episoden umfassende ARD-Miniserie "Die rote Kapelle" von Franz Peter Wirth, zum anderen die aufwendige DEFA-Kinoproduktion "KLK an PTX – Die Rote Kapelle" von Horst E. Brandt.

Rettinger zeigt, dass fiktionalisierte Bearbeitungen zwar durchaus dabei helfen können, historische Ereignisse zu schildern und zu veranschaulichen – dass sie aber auch ein verfälschtes Bild liefern können, das sich fortan im kollektiven Gedächtnis festsetzt. Da die beiden genannten Werke jeweils nur einen eingeschränkten Blick auf die Aktivitäten des circa 400 Mitglieder umfassenden Netzwerks ermöglichen, lässt Rettinger die fiktionalisierten Stoffe klug ineinander montieren und weist zudem durch aktuelle Erkenntnisse auf Fehler in der Darstellung hin.

Ergänzt um Aussagen von Nachfahren und Expert:innen, die sich teilweise an die Schauplätze der damaligen Geschehnisse begeben, gelingt es Rettinger, geschichtliche Verzerrungen zu hinterfragen und der Entstehung, Entwicklung sowie den Motiven der "Roten Kapelle" nachzuspüren. Dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg wird damit ein wichtiges Denkmal gesetzt.

Fazit: Ein gut recherchierter Dokumentarfilm, der einen erhellenden Einblick in ein Widerstandsnetz gewährt und zugleich deutlich macht, wie mediale Darstellungen unser historisches Verständnis verzerren können.




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