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König der Raben
König der Raben
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Kritik: König der Raben (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auch im zweiten Kinospielfilm des Regisseurs Piotr J. Lewandowski ("Jonathan") ist Homosexualität ein Thema, das den Kern der Handlung wie beiläufig umkreist. Im Mittelpunkt steht erneut ein junger Mann, der sich um ein Elternteil kümmert, sich heterosexuell verliebt und die Sehnsucht nach Freiheit verspürt. Die wichtigste Rolle spielt in "König der Raben" aber das Milieu von Migranten ohne Aufenthaltstitel, die ein Schattendasein mitten in Deutschland führen. Der Mazedonier Darko hat nichts im Überfluss, außer Probleme. Und dennoch ist er jung und es ist Sommer in der schwäbischen Stadt.

An die Schauplätze, an denen sich Darkos Alltag abspielt, verirren sich gutbürgerliche Einheimische praktisch nicht. Der Schrottplatz, der Taubenschlag, die Hinterhofwerkstatt, das heruntergekommene Wohnhaus könnten überall stehen. Und auch der Badesee im Grünen oder selbst der Friedhof und die Brücke über den Fluss sind für Ortsfremde nicht unbedingt lokalisierbar.

Lewandowski legt bei der Bildsprache viel Wert auf flüchtige Impressionen und eine flirrende Leichtigkeit, besonders wenn es um Darkos Verliebtheit und seinen Lebenshunger geht. Seine Dialoge mit Alina oder auch die Wortwechsel mit den Freunden Yanoosh und Manolo sind immer wieder von spontaner Lust am Fabulieren durchzogen. Sie können poetisch werden, zum Beispiel wenn sich Darko als König der Raben bezeichnet. Im Milieu der Migranten erlebt er Not, Angst vor der Polizei, Ausbeutung durch den Ganoven, aber auch tiefe Freundschaft und Solidarität.

Der gehbehinderte Yanoosh ist eifersüchtig auf Alina, weil er Darko begehrt. Aber er hat auch panische Angst, ihn als Weggefährten zu verlieren, wenn die Einheimische, Arrivierte ihn in ihre Kreise entführt. Malik Blumenthal spielt Darko überzeugend als Menschen voller Gegensätze: Er hat Pflichtgefühl und ein gutes Herz, will aber auch ausbrechen dürfen und die Freiheit des Sommers auskosten. Alina, die älter und reifer als er ist, weiß vielleicht noch weniger, wohin die Reise gehen soll. Antje Traue spielt sie geheimnisvoll als Charakter, der mit sich nicht im Reinen ist. Die weißen Tauben, die Darko züchtet, bergen für ihn das Versprechen des Aufbruchs, aber wie er selbst befinden sie sich in einem Zustand erhöhter Verletzlichkeit.

Fazit: Der Regisseur Piotr J. Lewandowski siedelt seinen zweiten Kinospielfilm in einem sozialen Milieu an, das nur selten als Schauplatz von Leinwanddramen dient. Der junge Held lebt als Geflüchteter ohne Aufenthaltstitel ein Schattendasein und kommt mit der deutschen Gesellschaft kaum in Berührung. Das ändert sich, als er sich in eine Frau verliebt und seine Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung wächst, was sein heimlich in ihn verknallter Freund eifersüchtig registriert. Das Drama und sein Hauptcharakter sind trotz aller Bedrückung und Konflikte zugleich stimmig von einer sommerlichen, jungen Leichtigkeit und einem Sinn für Poesie erfüllt.




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