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Berts Katastrophen
Berts Katastrophen
© Der Filmverleih GmbH

Kritik: Berts Katastrophen (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der pubertierende Schüler Bert ist sozusagen der schwedische Seelenverwandte des amerikanischen Teenagers Greg, bekannt aus der Buchreihe "Gregs Tagebuch" und ihren Verfilmungen. Auch Bert schreibt Tagebuch und auch er bringt sich durch Hormonstau, eine blühende Fantasie und das Bedürfnis, cool zu wirken, in die peinlichsten Schwierigkeiten. Die Jugendbuchreihe "Berts Katastrophen" von Sören Olsson und Anders Jacobsson diente der gleichnamigen Komödie von Regisseur Michael Lindgren als Vorlage. 2021 folgte auch eine schwedische Fernsehserie über Berts Abenteuer.

Anders als Greg hat Bert in diesem lustigen Kinofilm vor allem die Liebe im Kopf und muss sich als Einzelkind auch nicht mit nervigen Geschwistern herumschlagen. Aber auch er empfindet seine Eltern als peinlich, vor allem seinen bemühten Vater (David Wiberg), der unbedingt mit dem Sohn Zeit verbringen und über die Liebe sprechen will. Eigentlich ist Bert ein sanfter, lieber Junge, der andere Leute nicht hintergeht und keine fremden Tagebücher liest. Aber wie heißt es im Trailer zum neuen Superheldenfilm, von dem alle in Berts Schule schwärmen? "Man kann kein Omelette backen, ohne Eier zu zerschlagen!" Der gutmütigen Amira bleibt nicht verborgen, dass Bert sich auffällig für ihre große Schwester interessiert, aber dass ihr Schulfreund sie so dreist anlügt, um seine Pläne zu verfolgen, hätte sie ihm nicht zugetraut.

Sowohl Hugo Krajcik, als auch Julia Pirzadeh geben ihr Filmdebüt in den Rollen von Bert und Amira. Sie tragen mit ihrem fröhlichen Charme viel zum Gelingen der Komödie bei. Auch die Rollen von Berts ungleichen Freunden Åke und Lill-Erik sind gut gespielt. Obwohl der Film trotz der vielen Fettnäpfchen, in die Bert tritt, einen versöhnlichen Kurs fährt, wird hier keine kitschig heile Welt gezeichnet. Bert wird von einem Mitschüler gepiesackt. Und auch die mal realistisch gezeichneten, mal satirisch überhöhten Rollen seiner Eltern bleiben insgesamt glaubwürdig.

Das Herzstück des vergnüglichen Films sind die deftigen Pannen, in die sich Bert manövriert. Er folgt eben oft hochfliegenden Fantasien, die sich zwischen das reale Geschehen drängen. Zeitlupenaufnahmen und eine passende Begleitmusik erleichtern dem Publikum zusätzlich die Einfühlung in Berts Welt. Das Ergebnis ist eine hübsche Komödie, die es selbst vermeidet, auf übertriebene Weise cool sein zu wollen.

Fazit: Die Abenteuer des Teenagers Bert, der als Held einer Jugendbuchreihe in Schweden bekannt wurde, ergeben unter der Regie von Michael Lindgren eine vergnügliche Kinokomödie. Anders als der von seinen Liebesfantasien beflügelte Titelcharakter widersteht sie der Versuchung, größer, besser, cooler sein zu wollen. Die Geschichte bezieht ihren Charme aus der Unschuld des im Grunde so wohlgeratenen wie unscheinbaren Jungen, dem auf einmal die peinlichsten Sachen passieren. Zwischen all dem pubertärem Aufruhr fährt der Film einen harmonischen Kurs, der sich aber mit ironischen Tönen dem Eindruck einer allzu heilen Welt verweigert.




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